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Sicherheitsbehörden : Keine Zweifel erwünscht

Welche Lehren ziehen die Sicherheitsbehörden aus den zahlreichen dramatischen Vorfällen der vergangenen Tage? Bild: dpa

Die Sicherheitsbehörden lernen aus ihren Niederlagen. In Deutschland tun sie sich mit konstruktiver Selbstkritik allerdings immer noch schwer.

          München 1972, Deutschland war Gastgeber der Olympischen Spiele und präsentierte sich als heiteres Land. Dann zerstörte der Terror den Sommertraum: Ein palästinensisches Kommando drang in die nachlässig bewachten Mannschaftsquartiere ein, erschoss zwei Mitglieder der israelischen Olympia-Mannschaft und nahm andere als Geiseln. Am Abend versuchte die Münchner Stadtpolizei, die Israelis auf dem Flughafen Fürstenfeldbruck zu befreien. Dabei starben neun Geiseln, sieben Attentäter und ein Polizist. Ein chaotisches Gemetzel.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Die deutschen Sicherheitsbehörden hatten dem Nahost-Terror damals nichts entgegenzusetzen. Keine Anti-Terror-Einheit stand bereit, keine ausgebildeten Scharfschützen. Es existierte keine Notfallplanung. Totalversagen.

          Zu den Konsequenzen zählte damals der Aufbau der Spezialeinheit GSG 9 beim Bundesgrenzschutz. Bei den Länderpolizeien wurden Sondereinsatzkommandos gebildet. Fünf Jahre später trug die Neuorganisation bei der Entführung eines Passagierflugzeugs erste Früchte: Der GSG 9 gelang 1977 im somalischen Mogadischu eine spektakuläre Befreiungsaktion. Zumindest diese Lektion von München war gelernt.

          Für die deutschen Sicherheitsbehörden war das Münchner Attentat Ausgangspunkt des organisierten Kampfes gegen immer neue Formen des Terrors. Die Rote-Armee-Fraktion, das Oktoberfest-Attentat, dann die in Hamburg vorbereiteten Angriffe vom 11. September, das rechtsextreme Terrorkommando „NSU“ – immer wieder waren die Abwehrbehörden mit Anschlägen jeweils neuer Art konfrontiert.

          Ein gnadenloser Wettbewerb

          Mit den Schüler-Massakern von Erfurt, Winnenden und nun München kam eine Verbrechensform hinzu, bei der Polizei und Rettungskräfte enorm gefordert sind. Durch rasche und entschlossene Reaktion können Amokläufe relativ schnell gestoppt werden, wenn Sanitäter und Ärzte gut organisiert sind, können viele Menschenleben gerettet werden.

          Das Handeln seiner Einsatzkräfte dürfte sich auf Lektionen aus vergangenen Niederlagen von Sicherheitsbehörden gestützt haben: Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä

          Die Sicherheitsbehörden stehen in einem gnadenlosen Wettbewerb mit Islamisten, irregeleiteten Einzeltätern und fanatischen Gruppierungen, die töten wollen, um jeden Preis. Oft genug haben die Verteidiger das Nachsehen, denn Terroristen oder auch Amokläufer studieren ihrerseits unsere Schwachstellen und minimieren ihren Aufwand.

          Während die Anschläge vom 11. September noch mehrere hunderttausend Dollar gekostet haben – für Wohnungen, Hotels, Unterhalt, Flugschulen, Reisen, reichen inzwischen eine Lkw-Miete oder der Anschaffungspreis einer Axt für spektakuläre Aktionen. Dabei entstehen auch weniger Spuren, während beispielsweise die „Sauerland-Gruppe“ vor rund zehn Jahren noch Dutzende Prepaid-Handys gekauft hatte oder große Mengen Wasserstoffperoxyd in einer Garage bunkerte und sich damit verdächtig machte.

          Die gleiche Pistole wie Steinhäuser und Breivik

          Im Münchner Fall wird allerdings die Herkunft der Tatwaffe, eine Pistole vom Typ Glock 17 mit mehreren hundert Schuss Munition, noch eine größere Rolle spielen. Es wird kein Zufall sein, dass der Erfurt-Amokläufer Steinhäuser 2002 eine Pistole desselben Herstellers benutzte, ebenso, auf den Tag genau vor fünf Jahren, der Norweger Anders Breivik. Die Pistole hat ein riesiges Magazin – bis zu 33 Schuss – und ist offenbar auch für Schüler zu beschaffen. Wie kann das sein?

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