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Deutsche Marine in der Ostsee : Flache Wasser, kleine Flotte – gewaltige Ansprüche

Zwei deutsche Matrosen auf dem Bug der „Augsburg“ Bild: dpa

Auf den deutschen Seestreitkräften lasten viele Erwartungen. Besonders seit Russland wieder als Bedrohung gilt, ändert sich das Einsatzprofil dramatisch. Die Flotte ist teils marode – und so klein wie noch nie. Doch es gibt auch gute Nachrichten.

          Dreimal hat sich die Deutsche Marine in den vergangenen 30 Jahren neu ausgerichtet: Als Ostsee- und Grenzschutzmarine an deutsch-deutscher Sperrlinie stand sie in erster Linie den Kräften des Warschauer Pakts gegenüber. Nach der Einheit begann das große Abrüsten, die Ostsee wurde zum Randmeer. Mit wachsendem deutschen Engagement im Ausland, etwa auf dem Balkan und dann am Horn von Afrika, geriet Deutschlands Marine in Gewässer, die sie zuvor höchstens besuchsweise befahren hatte. Seither kreuzen Fregatten am Horn von Afrika, Horchboote vor dem Libanon, Versorgungsschiffe vor der libyschen Küste. „Unsere Reserve steht in See“, beklagte der Inspekteur der Marine vor ein paar Jahren. Sollte sagen: Es gibt keine Reserve.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          An diesem Zustand hat sich wenig geändert. Neue Schiffe wurden derweil zwar gebaut, vor allem aber Fregatten und Korvetten für die langen internationalen Einsätze in oft heißen Gegenden. Die jüngsten Modelle sind dafür ausgerüstet, gleichen aber eher grauen Rettungsschiffen oder schwimmenden Technikzentralen.

          Die Vorstellung, mit ihnen gegnerische Flotten zu bekämpfen oder Ziele im Hinterland zu beschießen, wurde zweitrangig. Doch seitdem Russland wieder als Bedrohung gilt, ändert sich das Einsatzprofil abermals dramatisch. Wachsam und besorgt verfolgt die Admiralität, welchen Druck die russische Marine an der Südflanke der Nato in einem anderen Binnenmeer, dem Schwarzen und dem Asowschen Meer, entfaltet: Rammstöße gegen ukrainische Schiffe, Kaperaktionen, Inhaftierungen, Durchfahrtssperren, Hafenblockaden – das ganze Programm eines Kleinkriegs.

          Auch wegen solcher Szenarien ist die Marine wieder verstärkt auf der Ostsee gefragt. Die letzten Schnellboote der Gepard-Klasse wurden indes vor zweieinhalb Jahren ausgemustert. Diese schwerbewaffneten Boote mit kleiner Besatzung, hohem Speed und geringem Tiefgang waren für die relativ flache Ostsee bestens geeignet. Ersatz ist nicht geplant. Während Nachbarmarinen wie die schwedische und die finnische in der Ostsee auch mit noch kleineren, beweglichen Kampfbooten operieren, kommt das See-Bataillon – sozusagen die deutschen Marines – mit einem behäbigen Landungsboot namens „Lachs“ daher. Es ist das zweitälteste Schiff der Marine nach der „Gorch Fock“. Das Bataillon übt zuweilen mit finnischen Leihbooten.

          Aber was man nicht hat, kann auch nicht kaputtgehen. U-Boote an Land, Tankschiffe ohne TÜV, Fregatten in Reklamation, Marine-Flugzeuge mit rostigen Tragflächen – auch für die Marine waren die vergangenen anderthalb Jahre noch eine schwere Zeit. Als im Oktober 2017 das letzte fahrtüchtige U-Boot nach einer Felsenkollision aus dem Wasser gehoben wurde, war zeitweise eine ganze Waffengattung außer Gefecht. Kurz darauf verloren die beiden einzigen Tankschiffe der Marine, die „Rhön“ und die „Spessart“, wegen technischer Mängel ihre Fahrerlaubnis.

          Piratenjäger auf Schnellbooten: Deutsche Marine-Soldaten in Dschibuti im Dezember 2008

          Die neue Fregatte „Baden-Württemberg“ hatte unterdessen wieder die Werft-Flagge gesetzt; wegen erheblicher Mängel bei der Elektronik verzögerte sich die Übergabe des 150-Meter-Schiffs um weitere Monate. Es gibt allerdings auch gute Nachrichten: Inzwischen sind vier von sechs U-Booten wieder im Einsatz. In den nächsten Jahren bekommt die Marine fast jedes Jahr ein neues Schiff: vier bis sechs Fregatten, fünf Korvetten, neue Tankschiffe, dazu Marinehubschrauber. In dieser Woche wurde in Wolgast die neue Fregatte „Köln“ feierlich auf Kiel gelegt. Sie soll Ende 2022 in Dienst gehen. Die nächste Generation größerer Schiffe, das MKS 180, wird wieder ein anderes Leistungsprofil haben als die gegenwärtige Fregattenproduktion. Die Marineführung betont, das „K“ in MKS stehe für „Kampf“. Sie hofft, dass die Aufträge für das Mehrzweckkampfschiff bald unterzeichnet werden.

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