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Deutsche Marine in der Ostsee : Flache Wasser, kleine Flotte – gewaltige Ansprüche

„Wir werden eine Flotte bauen, für die gilt: Ready to fight“

Gegenwärtig gilt noch, was Vizeadmiral Rainer Brinkmann vor einigen Wochen bei einer Tagung in den Räumen der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg sagte: „The best ships in our navy are the partnerships.“ Tatsächlich sagen die Partnerschaften im baltischen Raum aber auch etwas über das Ansehen und die Verantwortung der Marine aus. Zwar betreibt sie gegenwärtig die „kleinste Flotte ihrer Geschichte“, wie der Inspekteur, Vizeadmiral Andreas Krause, Anfang des Jahres feststellen musste: 46 Schiffe und U-Boote, vom Minenabwehrboot bis zum Einsatzgruppenversorger, müssen Aufträge in aller Welt und neuerdings auch wieder aktiver in den heimischen Gewässern ausführen.

In der Ostsee aber ist die deutsche Marine, trotz ihrer nur 16.000 Männer und Frauen, die Ankernation für befreundete Seestreitkräfte. Schweden, Polen, Dänemark, Estland, Lettland, Litauen, aber auch Finnland haben starke politische Interessen an freier Seefahrt und am Schutz ihrer Gewässer vor russischer Infiltration. Schweden hat deshalb die Wehrpflicht wieder eingeführt und die militärische Präsenz auf der strategisch wichtigen Insel Gotland verstärkt.

Auf deutsche Initiative hin wurde vor fünf Jahren eine regelmäßig tagende Konferenz der Kommandeure der Ostsee-Marinen eingerichtet. An der „Baltic Commandes Conference“ nehmen alle Anrainer-Staaten bis auf Russland teil. Hier werden Weichen gestellt für die praktische Zusammenarbeit; Ende März übten mehr als zehn Schiffe und Boote aus acht Ländern bei einem gemeinsamen Minenabwehr-Manöver. Ein paar Wochen zuvor war im Januar ein Marinestab eingerichtet worden, der als nationaler Stab mit internationaler Beteiligung maritime Operationen auf der Ostsee führen kann. Gedacht ist er als Grundstock für ein baltisches Marine-Kommando der Nato mit Standort in Rostock. „Anlehnungsnation“, wie es die Marine defensiv formuliert, ist Deutschland auch in Sachen gemeinsamer Minenbekämpfung, wo die nationalen Kompetenzen über die Zeiten gerettet werden konnten.

So kommt Deutschland innerhalb der EU und der Nato zumindest in der Ostsee eine Führungsaufgabe zu. Daran knüpft sich das Vertrauen der kleineren Länder, dass Berlin sich seiner Verantwortung nicht nur auf internationalen Konferenzen, sondern auch auf hoher See bewusst ist. Im Falle eines Falles soll aber auch stärkere Unterstützung kommen. Dieses Beistandsversprechen unterstreicht die amerikanische Navy auch in Zeiten der Trump-Präsidentschaft: Anfang Juni werden zum traditionellen Baltops-Manöver in der Ostsee zahlreiche Schiffe erwartet, darunter zum ersten Mal Teile der reaktivierten 2. US-Flotte. Der gehörten vor 2011 bis zu 126 Kriegsschiffe und 90.000 Mann an. Zur Neuaufstellung dieses Atlantik-Verbandes machte der Admiral des Verbandes Andrew „Woody“ Lewis eine klare Ansage: „Wir werden eine Flotte bauen, für die gilt: Ready to fight.“

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