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Deutsche Rüstungsindustrie : Waffen aus tiefen Tälern

  • -Aktualisiert am

Pistolen in einer Vitrine des Firmenmuseums von Heckler & Koch. Bild: FAZ.NET/Lorenz Hemicker

Der Südwesten ist das Zentrum der deutschen Waffenproduktion, die Unternehmen der Rüstungsindustrie beschäftigen Tausende. Doch die Politik geht jetzt auf Distanz zur Branche.

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          Für die Waffenproduktion hatte sich der württembergische König Friedrich ein ehemaliges Augustinerkloster in der Oberamtsstadt Oberndorf am Neckar ausgesucht. Ein Ort, der damals an der Peripherie des Königreichs lag und heute immer noch tiefe württembergische Provinz ist. Dort, wo zu Beginn des 19. Jahrhunderts die „Königlich Württembergische Gewehrfabrik“ gegründet wurde, werden bis heute Handfeuerwaffen und moderne Maschinengewehre produziert.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Das Sturmgewehr „HK G3“ der Bundeswehr, das ältere Sturmgewehr „HK 43“, mit dem auch die RAF tötete, und das nun in Verruf geratene Sturmgewehr G36 sind „made in Oberndorf“ und „made in Baden-Württemberg“. Mit Heckler & Koch und dem Waffenhersteller Mauser, der aus der königlichen Waffenschmiede hervorging und heute zur Rheinmetall AG gehört, ist die Kleinstadt zwischen Schwarzwald und der Baar-Hochebene bis heute ein wichtiges Zentrum der deutschen Waffenproduktion.

          Gute 140 Kilometer weiter südlich - in Friedrichshafen, Salem oder Überlingen am Bodensee sitzen mehr als ein Dutzend Unternehmen, die zumindest auch Rüstungsgüter (die Firmen sprechen eher von Wehr- oder Sicherheitstechnik) in ihrem Produktportfolio haben. Weil die Unternehmen zwischen zivilen und nichtzivilen Produkten in ihren Bilanzen nicht unterscheiden, ist nicht zu ermitteln, welchen Anteil die Rüstungsproduktion an der Wertschöpfung in Baden-Württemberg insgesamt hat. Seit 1997 erfasst das Statistische Landesamt die Produktion von Wehrgütern nicht mehr.

          Im Kreuzfeuer: Das Sturmgewehr G36 von der Firma Heckler & Koch
          Im Kreuzfeuer: Das Sturmgewehr G36 von der Firma Heckler & Koch : Bild: F.A.Z.

          Ganz unbedeutend ist dieser Industriezweig jedoch nicht: Die in Düsseldorf ansässige Rheinmetall AG beschäftigt an den Standorten Neuenburg, Heilbronn, Oberndorf allein in Baden-Württemberg etwa 3700 Mitarbeiter. „Diehl Defence“ in Überlingen, MTU Rolls-Royce in Friedrichshafen und „Airbus Defence and Space“ in Immenstaad gehören wohl zu den bedeutendsten Unternehmen. Diehl Defence produziert Lenkflugkörper und Munition. MTU baut Motoren für Kriegsschiffe und Panzer.

          „Servicestelle zur Stärkung der Friedensbildung an Schulen“

          Die grün-rote Landesregierung ließ sich von der Firma Diehl einmal ihre Berliner Stallwächterparty sponsern, dennoch ist der Umgang mit Rüstungsunternehmen und auch der Bundeswehr heute distanzierter als unter der 58 Jahre regierenden CDU: Die grüne Jugend fordert für die Forschung an den Universitäten immer noch eine Zivilklausel, also eine Selbstverpflichtung, nur für zivile Zwecke zu forschen, das Kultusministerium hat gerade eine „Servicestelle zur Stärkung der Friedensbildung an den Schulen“ gegründet.

          Schwache Treffgenauigkeit : Von der Leyen verkündet Aus für G36 in aktueller Bauart

          Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) wünscht sich, dass sich Rüstungsproduzenten stärker zivilen Produkten zuwenden. „Die Flucht in den Ausbau des Exports ohne Rücksicht auf Gefahren kann nicht die Antwort sein. Zum einen geht es um Diversifizierung durch Angebote für den zivilen Bereich, wie es einige Unternehmen bereits getan haben. Zum anderen um verstärkte Zusammenarbeit innerhalb Europas und der Nato“, sagte Schmid dieser Zeitung. Er unterstütze Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), für den der mögliche Wegfall von Arbeitsplätzen kein Grund für Waffenexporte in Krisengebiete sein könne.

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