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Kritik an Truppenverlegung : „Ich kann und will das nicht glauben“

  • Aktualisiert am

Ein amerikanischer Soldat im Oktober 2012 im bayerischen Grafenwöhr Bild: dpa

Bayerische Politiker sehen durch die Truppenabzugspläne eine deutliche Belastung für das transatlantische Verhältnis. Die FDP-Politikerin Strack-Zimmermann wirft dem amerikanischen Präsidenten eine „Kamikaze-Aktion“ vor.

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          In den betroffenen Bundesländern wird Kritik am vom amerikanischen Präsidenten geplanten Truppenabzug laut. So sagt Johannes Hintersberger, Vorsitzender des Arbeitskreises Wehrpolitik der CSU-Landtagsfraktion im bayerischen Landtag, sagte der der F.A.Z.: „Ich kann und will das nicht glauben. Die Truppen abzuziehen scheint mir eine rein emotionale Entscheidung des amerikanischen Präsidenten zu sein. Sie ist schlecht für die bayerischen Standorte, aber auch eine schwere Belastung für das enge, freundschaftliche deutsch-amerikanische Verhältnis.“

          Die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann wirft Trump eine „Kamikaze-Aktion“ vor. „Das ist erst mal eine persönliche Abrechnung eines Präsidenten. Das ist eine Kamikaze-Aktion“, sagte die FDP-Politikerin am Donnerstag im ZDF-„Morgenmagazin“ mit Hinweis auf Trump. Er wolle Deutschland treffen, treffe aber die Nato insgesamt. Deshalb schlage es auch zurück auf die Amerikaner. Lachender Dritter sei der russische Präsident Wladimir Putin. „Der wird heute Nacht vor Freude kaum ins Bett gefunden haben“, sagte Strack-Zimmermann.

          Strack-Zimmermann nannte es verständlich, dass die Vereinigten Staaten bei der Verteidigung mehr von Deutschland erwarteten. Gleichwohl sei die Bundeswehr zweitgrößter Truppensteller in der Nato. Das Verteidigungsbündnis sei ein „kostbares Gut“. Dieses werde nun konterkariert und kaputt gemacht vom amerikanischen Präsidenten. Strack-Zimmermann warf zudem Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) vor, er sei bei dem seit Wochen angekündigten Truppenabzug „in Deckung gegangen“.

          Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hatte schon am Vorabend die Pläne kritisiert und kündigte umgehend Unterstützung an. „Wir werden allen betroffenen Standorten helfen. Vor allem die Bundeswehr ist gefragt. Wir warten jetzt ab, ob die Entscheidung auf Dauer bleibt“, sagte Söder.

          Aus Bayern und anderen Bundesländern sollen fast 12.000 Soldaten abgezogen werden – allein 4500 Soldaten sollen die oberpfälzische Kleinstadt Vilseck verlassen. Auch die unweit gelegene Stadt Grafenwöhr mit einem der größten Truppenübungsplätze Europas könnte in Mitleidenschaft gezogen werden. Die Region würde das hart treffen. Derzeit sind an beiden Standorten mehr als 10.000 Soldaten stationiert – ein enormer Wirtschaftsfaktor, wie Grafenwöhrs Bürgermeister Edgar Knobloch (CSU) sagt. Bei der amerikanischen Armee und deren Vertragspartnern seien etwa 3000 Einheimische beschäftigt. Zudem hätten sich im Laufe der Jahrzehnte Freundschaften und enge Kontakte zwischen Soldaten und Anwohnern entwickelt. Auch Ehen wurden geschlossen.

          Insgesamt will Trump aus Deutschland rund 6400 Soldaten in die Vereinigten Staaten zurückholen sowie weitere 5600 in andere Nato-Länder verlegen, wie Verteidigungsminister Mark Esper am Mittwoch in Washington erklärt hatte. Ihm zufolge soll das zweite Kavallerie-Regiment aus Vilseck abgezogen werden. Für Grafenwöhr wird nach dpa-Informationen mit dem Abzug von möglicherweise rund 1000 Soldaten gerechnet.

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