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Leopard 2 für die Ukraine? : Bei den Panzern null Prozent

Ein deutsche „Leopard“: Mit modernen Kampfpanzern dieses Typs würde die Offensive der Ukrainer schlagkräftiger werden. Bild: dpa

In den Reden von Baerbock und Lambrecht fallen große Worte. Doch eine hochprozentige Führungsmacht ist Deutschland noch nicht.

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          Deutschland stehe zu 150 Prozent an der Seite der Ukraine, hat Außenministerin Baerbock dieser Tage versichert. In Kiew und vermutlich auch in Moskau wird der Prozentsatz wohl etwas niedriger eingeschätzt. Denn bei der Unterstützung mit Waffen erfüllt die Regierung Scholz den größten Wunsch der Ukrainer nicht: die Lieferung von deutschen Kampf- und Schützenpanzern.

          Die ukrainische Armee verfügt nur über veraltete Modelle, von denen viele schon zerstört worden sind. Mit modernen Panzern könnten die Ukrainer ihre Offensive viel schlagkräftiger und raumgreifender vorantreiben. Das freilich ist der Grund, warum die hochprozentige deutsche Unterstützung der Ukraine im Fall der Kampfpanzer null Prozent beträgt.

          Berlin fürchtet, dass allzu große Siege der Ukrainer gegen die russischen Invasoren Putin zur Eskalation des Krieges treiben könnten, entweder durch den Einsatz von Massenvernichtungswaffen oder durch den Angriff auf ein NATO-Mitglied. Das halten auch die Amerikaner für möglich, weswegen selbst sie den Ukrainern noch keine Kampfpanzer überließen.

          Soll Putins Herrschaft in der Ukraine verbluten?

          Es ist zweifellos richtig, dass Berlin sich auch in dieser Frage eng mit Washington abstimmt und keinen Alleingang unternimmt. Doch müssen die westlichen Verbündeten sich auch gegenseitig fragen, zu welchem Zweck sie die Ukrainer unterstützen. Sollen die nur so viel von ihrem Land befreien dürfen, dass der Aggressor sich nicht zu sehr gedemütigt fühlt? Und das nur im Tempo des gegenwärtigen Vormarsches, der jederzeit wieder stocken kann? Soll Putin auf dem ukrainischen Schlachtfeld gebunden werden, damit seine Herrschaft dort verblutet?

          Von der Bundesregierung erfährt man dazu nichts, obwohl nun auch Verteidigungsministerin Lam­brecht erklärte, dass Deutschland die Rolle als militärische Führungsmacht annehmen müsse. Angst brauche das Land davor aber keine zu haben. Das klingt ein wenig nach Pfeifen im Ampelwalde. In ihm sind viele Worte größer als die Taten, geschätzt um mindestens 50 Prozent.

          Berthold Kohler
          Herausgeber.

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