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Deutsche Dschihadisten : Über die A8 nach Aleppo

  • -Aktualisiert am

Der Islamist und frühere Gangster-Rapper Denis Cuspert Bild: ddp/Michael Koslowski/dapd

Ein Nachtsichtgerät für Scharfschützen wollten zwei Männer in einem Stuttgarter Jagdgeschäft kaufen. Der Verkäufer rief die Polizei. Tatsächlich: Die beiden wollten zum Dschihad nach Syrien reisen. 

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          Sie kamen ohne Lodenmantel. Wer sich in der Stuttgarter Kronprinzstraße 26 seine Jagdausrüstung kauft, trägt in aller Regel einen Lodenmantel und derbes Schuhwerk. In dem Geschäftshaus bekommt der Jäger alles, was er braucht: Die Kurzwaffenpatrone 357 Top Shot Magnum oder das Zielfernrohr Monarch VII. Betritt man das gut sortierte Fachgeschäft ohne Jäger-Joppe, fällt man auf. Als ein 23 Jahre alter Libanese aus Stuttgart und ein 37 Jahre alter afghanischstämmiger Mann aus Mönchengladbach das Jagdgeschäft am 11. November betraten, schrillten bei einem Verkäufer die Alarmglocken. Denn es kommt nicht jeden Tag vor, dass solche Leute bei einem Traditions-Jagdausrüster Nachtsichtgeräte für Scharfschützen kaufen. Nachdem ein High-Tech-Gerät für 4000 Euro und ein preiswerteres Instrument über die Ladentheke gegangen waren, informierte einer der Verkäufer die Polizei.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Zwei Tage später endete die Reise der Amateur-Gotteskrieger mit ihrem schrottreifen Ford Focus in Gruibingen, genauer, auf einer Raststätte an der A8. Dank des aufmerksamen Verkäufers kamen sie nicht bis ins syrische Kriegsgebiet, sondern nur knapp fünfzig Kilometer weit – bis an den Rand der Schwäbischen Alb. Ausgestattet mit Ferngläsern, Tarnkleidung, Medikamenten, Werkzeugen und eben den Nachtsichtgeräten wollten die Dschihadisten zunächst ins syrisch-türkische Grenzgebiet und dann ins Kampfgebiet, möglicherweise bis nach Aleppo. Sie wollten die Kämpfer der „Jais al Muhajirin wal Ansasr“ (Armee der Auswanderer und Helfer) unterstützen und gegen die Armee des syrischen Diktators Baschar al Assad kämpfen.

          Wären die beiden Dschihadisten beim Einkaufen in Stuttgart vorsichtiger gewesen, hätten sie ihre Ausrüstung in dem Jagdgeschäft und den zwei Militaria-Shops vielleicht über Mittelsmänner gekauft, hätten sie mit Sicherheit ungehindert ins Kriegsgebiet reisen können. Am 13. November, wie erst vor wenigen Tagen bekannt wurde, konnten Beamte der baden-württembergischen Polizei die zwei Dschihadisten verhaften. Der 23 Jahre alte Libanese und der 37 Jahre alte Deutsche müssen sich nun wegen der Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ verantworten. „Es handelt sich um gefährliche Dilettanten. Sie müssen irgendwie in die salafistische Szene reingerutscht sein“, sagt Herbert Landolin Müller, Islamismusfachmann des baden-württembergischen Verfassungsschutzes.

          „Wenn sie zurückkommen, müssen wir unbedingt reagieren“

          Manfred Schmitt, zuständig für Islamismus beim Staatsschutz der Stuttgarter Polizei, spricht im Fall des 23 Jahre alten Libanesen von einer „Schnellradikalisierung“. Der arbeitslose Libanese sei offenbar orientierungslos gewesen, sei in Mekka dann an die falschen Leute geraten und habe während eines weiteren zweimonatigen Aufenthalts in der Region eine militärische Ausbildung genossen, die er selbst als „Fitnessertüchtigung“ verniedliche. „Da wird sicher nicht ein paar Wochen mit der Ausbildung an der Waffe gewartet, das geht schnell los, das werden wir noch belegen“, sagt Schmitt. Der Polizist hält auch die Rückkehr der Dschihadisten nach Deutschland für sehr gefährlich: „Das sind Leute, die in Deutschland sozialisiert sind, die sich auskennen und die in der islamistischen Szene nach ihrem Aufenthalt im Ausland ein hohes Ansehen genießen. Natürlich sind sie in der Lage, auch in Deutschland mit Waffen und Sprengsätzen umzugehen“, sagt Schmitt. „Wenn sie zurückkommen, müssen wir also unbedingt reagieren.“

          Solche Reisende sollte man aufhalten: Die radikalen Islamisten Josef D. ...
          Solche Reisende sollte man aufhalten: Die radikalen Islamisten Josef D. ... : Bild: dpa

          Auch Burkhard Freier, Leiter des Verfassungsschutzes in Nordrhein-Westfalen warnt vor radikalen Rückkehrern. „Als vermeintliche Gotteskrieger genießen diese Leute hohes Ansehen in salafistischen Kreisen und können nicht nur maßgeblich zur weiteren Radikalisierung der hiesigen Szene beitragen.“ Von Rückkehrern gehe oft auch eine ganz konkrete Gefahr für die Allgemeinheit aus. Als Beispiele nennt Freier die „Sauerlandgruppe“ und die „Düsseldorfer Zelle“, deren Mitglieder in Terrorlagern im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet ausgebildet und die mit dem Auftrag zurückgeschickt wurden, in Deutschland Anschläge zu verüben. „Durch diese Fälle wissen wir, dass sich die Sicherheitslage durch die Rückkehrer verändert.“

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