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Deutsche Dschihadisten : Über die A8 nach Aleppo

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Der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz ist alarmiert wegen des Propagandavideos. „Erstmals meldet sich hier ein Deutscher aus Syrien zu Wort, der für die al-Qaida-nahe Terrororganisation ‚Islamischer Staat von Irak und Großsyrien‘ zum Kampf in Syrien aufruft“, sagt Behördenleiter Freier. Dass die Zahl der Salafisten, die von den Sicherheitsbehörden beobachtet werden allein in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr von tausend auf 1500 gestiegen ist, führt Freier auf die massive Propaganda der „Gotteskrieger“ und die Krise in Syrien zurück. Der grausame Bürgerkrieg liefere den Salafisten einen Anlass, um junge Leute für ihre extremistischen Ziele zu begeistern. „Wir haben Hinweise darauf, dass sich junge Männer und Frauen von der Rhetorik, wie sie nun Abu Usama verwendet, angesprochen und ins vermeintliche ‚Paradies‘ eingeladen fühlen. Viele Jugendliche sehen sich im Internet Propagandafilme an, richten ihr Leben nach einem vermeintlich originalgetreuen Islam aus und verlangen von ihrem Umfeld, sich diesen Regeln ebenfalls zu unterwerfen.“

Immer öfter zeigen sich salafistische Islamisten auch öffentlich. Vor wenigen Tagen schwadronierte der berüchtigte Konvertit Pierre Vogel in Bonn-Tannenbusch vor etwa 200 Anhängern. Sicherheitsbeamte machten dabei eine skurrile Beobachtung: Ein Teilnehmer trug eine Jacke, die nach dem Vorbild der Rockergruppe „Hells Angels“ als eine Art Salafisten-Kutte gestaltet war. Vereinzelt versuchen dschihadistische Salafisten zudem, neue Anhänger anzuwerben, indem sie wie zuletzt in Hessen oder im Ruhrgebiet nach NPD-Vorbild versuchen, gezielt Schüler anzusprechen. Regelmäßig kommt es gerade im Raum Köln/Bonn zu Benefizveranstaltungen, auf denen nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes nicht nur für notleidende Glaubensbrüder vor allem in Syrien gesammelt wird, sondern die auch zur Rekrutierung neuer Kämpfer dienen.

Neues Video von Denis Cuspert

Vor fünf Jahren galten Ulm und Neu-Ulm als Städte mit einer sehr ausgeprägten islamistischen Szene. Nachdem dort die Strafverfolgung intensiviert und ein multikulturelles Zentrum geschlossen wurde, haben einige islamistische oder salafistische Wortführer ihren Wohnsitz nach Stuttgart und viele auch nach Nordrhein-Westfalen verlegt. Heute ist Bonn so etwas wie die deutsche Salafisten-Hauptstadt. Aus Bonn stammen einige islamistische Kämpfer, die es in der ersten Ausreisewelle ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet zog. Zudem gibt es in der früheren Bundeshauptstadt eine von Somaliern geprägte Gruppe militanter Islamisten. Sie soll intensive Kontakte zu islamistischen Schabab-Milizen haben, die zuletzt im September mit einem Massaker in einem Einkaufszentrum in Kenia von sich Reden machten. Der Bonner Konvertit Andreas M. soll gar zur Führung der Terrorgruppe gehören.

Besondere Bedeutung für die weitere Radikalisierung der militanten Salafisten-Szene hatten die schweren Ausschreitungen vor der König-Fahd-Akademie in Bonn im Mai 2012. Einer der Rädelsführer war damals der frühere sogenannte Gangsta-Rapper Denis Cuspert. Er floh danach zunächst nach Ägypten und meldete sich per Videobotschaft, um zu Gewalttaten aufzurufen. Cuspert zog es dann weiter nach Syrien. Im September wurde der „Gotteskrieger“ bei einem Luftangriff schwer verletzt. Damals kursierten Gerüchte, Cuspert sei dabei ums Leben gekommen. Doch vor wenigen Tagen ist im Netz wieder ein Video aufgetaucht. Es ging Cuspert nicht nur um ein Lebenszeichen. Auch Cuspert ruft Muslime aus Deutschland dazu auf, sich dem heiligen Krieg in Syrien anzuschließen.

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