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Deutsche Dschihadisten : Über die A8 nach Aleppo

  • -Aktualisiert am

Syrien lässt sich ohne große Mühe erreichen

Aus Deutschland sind bisher nach Schätzungen der Sicherheitsbehörden etwa 240 Dschihadisten in den syrischen Krieg gezogen, rund hundert stammen aus Nordrhein-Westfalen, zwölf aus Baden-Württemberg. Der 23 Jahre alte Libanese aus Stuttgart soll sich öfter in zwei Moscheen in Bad Cannstatt aufgehalten haben, in denen auch Salafisten anzutreffen sind. Im Sommer soll er nach Mekka gepilgert sein, im Herbst soll er sich für kurze Zeit schon einmal im syrischen Kriegsgebiet aufgehalten haben. Wahrscheinlich schickte man ihn dann nach Deutschland zurück, weil er Gerätschaften und Ausrüstungen für den Kampfeinsatz kaufen sollte. „Es ist besorgniserregend“, sagt Herbert Landolin Müller, „wie groß die Attraktivität des syrischen Kriegsgebiets im Vergleich zu Afghanistan und Pakistan für diese jungen Leute ist. Es gibt vereinzelt sogar minderjährige Frauen, die nach Syrien wollen, weil sie die starken Löwen, also die Männer, unterstützen wollen“, sagt Müller.

Verfassungsschützer unterscheiden mittlerweile zwischen der ersten und der zweiten Ausreisewelle von Salafisten. Den nordrhein-westfälischen Konvertiten Josef D., der sich derzeit vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf verantworten muss, weil er im Verdacht steht, der ausländischen terroristischen Vereinigung „Deutsche Taliban Mudschahedin“ (DTM) angehört zu haben, gehört zu den Erste-Welle-Salafisten. Er zog im Sommer 2009 ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet. Direkt am „Heiligen Krieg“ aber konnte D. wegen einer chronischen Durchfallerkrankung nicht teilnehmen. Hinzu kam, dass schon im April 2010 führende Mitglieder der DTM von pakistanischen Truppen getötet worden waren. Auf beschwerlichen Umwegen kam D. Anfang des Jahres zurück nach Deutschland, um seinen kranken Vater zu besuchen.

... und Philip B. (alias Abu Usama)
... und Philip B. (alias Abu Usama) : Bild: Archiv

Im April wurde D. in Lünen festgenommen. Im Vergleich zu D. haben es die deutschen Dschihadisten der zweiten Welle leicht, in den „Gotteskrieg“ zu ziehen: Syrien ist nicht so weit weg wie das pakistanisch-afghanische Grenzgebiet und lässt sich ohne große Mühe über die Türkei erreichen. Den typischen „Gotteskrieger“ gibt es freilich auch heute nicht, was es für den Staatsschutz und die Verfassungsschützer schwierig macht, die Rekrutierung neuer Dschihadisten zu verhindern. Der baden-württembergische Verfassungsschützer Müller sagt, es handle sich nicht um ein „Ausländerphänomen“, sondern in aller Regel um Inländer aus Einwandererfamilien, die Gotteskrieger werden wollen. Es gibt aber immer wieder auch erstaunliche Konvertiten-Karrieren.

Salafisten versuchen neue Anhänger anzuwerben

Der 26 Jahre alte Deutsche Philip B. etwa hat es geschafft, er ist in Syrien angekommen. B. spielte beim SuS Dinslaken Fußball. Als er mit der Berufsschule fertig war, arbeitete er eine Zeit lang als Pizzabote. Er trat zum Islam über, und bald stellten seine Bekannten eine merkwürdige Wandlung fest. Irgendwann verschwand B. Vor wenigen Tagen dann tauchte im Internet ein Video auf, in dem B. mitteilt, dass er sich Abu Usama nenne – in Anlehnung an Usama Bin Laden, den Kopf des Anschlags vom 11. September 2001 in New York. Er habe sich „der Karawane des Dschihad“ angeschlossen. Intensiv fordert Abu Usama „der Deutsche“ deutsche Muslime auf, wie er nach Syrien auszuwandern und in den heiligen Krieg zu ziehen. „Hier gibt’s bald Schulen für Kinder. Ihr könnt hier gut leben. Hier könnt ihr euren Islam frei praktizieren“, tönt der Gotteskrieger vom Niederrhein. „Allah hat versprochen, auch wenn du auswanderst und dich der Tod ereilt, dir zu vergeben. Der Mujahid ist der beste aller Menschen.“ B. schwärmt von Grenzgebieten, in denen sogenannte Gotteskrieger unbehelligt mit ihren Familien leben könnten. „Wir haben alles da, Essen, Trinken, besser als in Deutschland.“

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