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Deutsche Bischofskonferenz : Zollitsch entschuldigt sich bei Missbrauchsopfern

Bild: reuters

Missbrauch sei aber kein systemisches Problem der Kirche und habe „nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre der Kirche zu tun“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Zollitsch: „Es ist eine Frage, wie ein Mensch veranlagt ist.“

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          Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, hat sich am Montag erstmals zu den bekanntgewordenen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche geäußert und dabei einen Zusammenhang mit der Kirchenlehre zurückgewiesen. Missbrauch sei kein systemisches Problem der Kirche und habe „nichts mit dem Zölibat und nichts mit der Sexuallehre der Kirche zu tun“, sagte Zollitsch zu Beginn der Frühjahrsvollversammlung der Bischofskonferenz in Freiburg. „Es ist eine Frage, wie ein Mensch veranlagt ist.“

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Zollitsch zeigte sich erschüttert über die Missbrauchsfälle; sie seien abscheuliche Verbrechen, für die er sich bei allen Opfern entschuldige. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz forderte eine „lückenlose und absolut transparente Aufklärung“ und lobte das Vorgehen des Jesuitenordens in dieser Frage. Die im Jahr 2002 von der Bischofskonferenz zum Thema Missbrauch verabschiedeten Leitlinien bezeichnete er als „unverändert wichtig“; sie seien eine bewährte Grundlage kirchlichen Handelns.

          Zollitsch sagte, die Kirche wünsche, dass die staatlichen Behörden so schnell wie möglich eingeschaltet würden. An den Leitlinien wird bemängelt, dass die Vorschriften zur Zusammenarbeit mit den Staatsanwaltschaften zu lax seien. Zollitsch kündigte an, die Leitlinien zu überprüfen. Dabei werde man auch über Änderungen sprechen. „Wir werden uns dem Problem stellen.“ Er schlage vor, eine Arbeitsgruppe einzusetzen.

          Am Canisius-Kolleg wurden die ersten Missbrauchsfälle bekannt

          Zur lückenlosen Aufklärung aufgefordert

          Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hatte die katholische Kirche in der Zeitschrift „Spiegel“ zu einer lückenlosen Aufklärung aufgefordert und vorgeschlagen, einen Runden Tisch mit Vertretern von Kirche, Staat und Opfern einzurichten. Sie kritisierte zudem den Augsburger Bischof Walter Mixa: Es sei „wenig hilfreich, wenn sich einige Verantwortliche wie Bischof Mixa hinter polemischen Ausflüchten verstecken, statt zur Sachaufklärung beizutragen“. Bischof Mixa hatte in der Zeitung „Augsburger Allgemeine“ gesagt, die „sogenannte sexuelle Revolution, in deren Verlauf von besonders progressiven Moralkritikern auch die Legalisierung von sexuellen Kontakten zwischen Erwachsenen und Minderjährigen gefordert wurde“, sei am Phänomen des sexuellen Missbrauchs „sicher nicht unschuldig“. Erzbischof Zollitsch sagte dazu, „es sei zu schnell zu sagen, die sexuelle Revolution sei schuld“. Es sei aber durchaus möglich, dass sie zu einer „Verminderung der Hemmschwelle“ beigetragen habe.

          Ausgehend von der Veröffentlichung von Missbrauchsfällen an dem von Jesuiten getragenen Canisius-Kolleg in Berlin während der siebziger und achtziger Jahre, sind in den vergangenen Wochen bislang mehr als hundert Fälle von sexuellem Missbrauch von Jugendlichen in der katholischen Kirche bekanntgeworden. Der Rektor des Kollegs, Klaus Mertes, der den Missbrauch öffentlich gemacht hatte, klagte über ein jahrzehntelanges „Schweigen und Vertuschen des Systems“ in der Kirche und äußerte die Hoffnung, „dass das derzeitige System erneuert wird“.

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