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Deutsche Bischofskonferenz : Tebartz schwebt über allem

Ratloses Kopfschütteln: Erscheint Tebartz? Bild: dpa

Tebartz-van Elst kommt nicht nach Münster und ist dennoch allgegenwärtig. Alle Namen und Nachrichten stehen bis auf weiteres im Bann der Frage, wie Papst Franziskus in der Causa Tebartz entscheiden wird.

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          Er kommt, er kommt nicht, er kommt - bis Montagnachmittag hielt das Rätselraten an, ob der von Papst Franziskus mit einer „Auszeit“ belegte Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst an der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Münster teilnehmen werde oder nicht. Denn wer immer am Montag früh Hoffnung aus der Nachricht geschöpft hatte, Tebartz-van Elst sei am Sonntag schon nicht zu der Verabschiedung des Kölner Kardinals Joachim Meisner ins Rheinland gekommen und werde daher wohl auch nicht nach Westfalen weiterreisen, sah sich bald eines Besseren belehrt.

          Daniel Deckers
          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Der Limburger Bischof sei wie sein Vorgänger Franz Kamphaus in einen Verkehrsstau größeren Ausmaßes geraten und habe „nur“ deswegen nicht mehr rechtzeitig zum Abschlussgottesdienst im Kölner Dom erscheinen können, hieß es kurz vor Beginn der Vollversammlung. In Köln war man schon am Sonntag ob dieses Winks des Schicksals nicht traurig. Denn hätte sich Tebartz-van Elst zum ersten Mal seit dem vergangenen Oktober wieder als Bischof in Deutschland gezeigt, wäre ihm und weniger dem scheidenden Kölner Kardinal Meisner das Interesse der Medien sicher gewesen.

          Nun also Münster und damit jene Bischofsstadt, in der heute 54 Jahre alte Tebartz-van Elst studierte, als Domvikar mit dem Thema „Erwachsenenkatechumenat“ Furore machte und im Jahr 2004 unter dem mittlerweile verstorbenen Bischof Reinhold Lettmann, dem Vorgänger Genns, Weihbischof wurde. Im Bistum Limburg hieß es noch am Montagmittag von mehreren Seiten, man habe keinen Kontakt mit dem Geistlichen, der seit Januar 2008 an der Spitze des rund 650.000 Katholiken zählenden Bistums steht und im Oktober die Flucht nach Rom ergriff. Zugang zu Tebartz-van Elst hatten zu diesem Zeitpunkt wohl nur der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der vormalige Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, und der Münsteraner Bischof Felix Genn, der Tebartz seit langem geistlich nahesteht.

          Wie wird Franziskus entscheiden?

          Im Vatikan stand das Leben still, seit sich die Kurie mit Papst Franziskus am Montagmorgen zu den jährlichen Fastenexerzitien in die Albaner Berge zurückgezogen hat.  Wem und wie auch immer es gelang, Tebartz-van Elst von einer Teilnahme an der Frühjahrsvollversammlung abzubringen, wird einstweilen nicht verraten. Jedenfalls konnte Zollitsch vor Beginn der viertägigen Beratungen verkünden: „Er kommt nicht.“ Doch auch diese Nachricht wirft einen langen Schatten auf die Zusammenkunft der mehr als sechzig Orts- und Weihbischöfe. Denn wer immer am Mittwochvormittag zum Nachfolger Zollitschs an der Spitze der Konferenz gewählt werden wird und gleich welche guten Botschaften er in den ersten Wochen seiner sechs Jahre währenden Amtszeit zu überbringen gedenkt, alle Namen und Nachrichten stehen bis auf weiteres im Bann der Frage, wie Papst Franziskus in der Causa Tebartz entscheiden wird.

          Ratloses Kopfschütteln ist in Münster die Antwort auf die Frage, was sich der Limburger Bischofs bis heute davon verspricht, dass er durch das Festhalten an seinem Amt den Papst zwingt, in aller Öffentlichkeit eine Entscheidung zu treffen. Denn gleich welche Fakten der bis heute in Deutschland wie in Rom geheimgehaltene Bericht enthält, in jedem Fall hat der Papst über einen Geistlichen zu entscheiden, der zu Händen der Justiz nachweislich falsche Erklärungen an Eides statt abgegeben hat. Schon aus diesem Grund haben deutsche Bischöfe und Kardinäle in den vergangenen Wochen immer wieder auf Tebartz-van Elst eingeredet und ihn davon abzuhalten versucht, den Papst auf die Probe zu stellen. Vergebens. Also fügt man sich in das Unausweichliche und harrt der Entscheidung aus Rom.

          In dieser Woche wird sie aufgrund der Fastenexerzitien kaum fallen, heißt es. Ob es die kommende oder gar die übernächsten Woche werden wird, wagt niemand vorherzusagen. Sicher ist nur eines: Seit vergangenem Montag vergangenen Woche liegt der Ball nicht mehr in Deutschland, sondern im Vatikan. Vor Wochenfrist reiste Zollitsch in Begleitung des Paderborner Weihbischofs Manfred Grothe nach Rom. Dort übergab er den Bericht, den die von Kardinal Giovanni Lajolo im September angeregte Kommission zur Prüfung des Finanzgebarens des Limburger Bischofs und seines Generalvikars Franz Kaspar im Februar abgeschlossen hatte, den Mitarbeitern der Bischofskongregation. Tags darauf hatte Tebartz-van Elst im Vatikan Gelegenheit, zu dem Bericht, der ihm zuvor bekanntgegeben worden war, Stellung zu nehmen. Damit hat die Deutsche Bischofskonferenz ihre Aufgabe im Fall Tebartz-van Elst erfüllt.

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