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Deutsch-israelisches Manöver : Eine neue Stufe der Verbundenheit

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer besucht am 18. August zusammen mit dem israelischen Botschafter, Jeremy Issacharoff, die KZ-Gedenkstätte Dachau. Bild: AFP

Mit gemeinsamen Manövern der Luftwaffe und der israelischen Air Force vertiefen Deutschland und Israel ihre militärische Zusammenarbeit. Die historische Dimension des Verhältnisses beider Länder wird auch bei den Übungen deutlich.

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          Eigens für den Verbündeten wird das Manöver von der Luftwaffe ausgerichtet: Im Rahmen der Übung „Blue Wings“ nimmt die israelische Air Force erstmals an Luft-Luft- und Luft-Boden-Übungen in Deutschland teil. Sechs Kampfflugzeuge der israelischen Luftstreitkräfte begannen am Dienstag mit der Ausführung von Manövern über deutschem Territorium. In der kommenden Woche sind die Flugzeuge überdies an Nato-Manövern beteiligt, die neben Einheiten der deutschen Luftwaffe auch ungarische Kampfflugzeuge einschließen.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die Entsendung eines 180 Soldaten umfassenden israelischen Kontingents mit sechs F-16-Kampfflugzeugen, zwei Boeing-Tankern und zwei Gulfstream-Beobachtungsflugzeugen markiert eine neue Stufe in der deutsch-israelischen Militärkooperation. Vor drei Jahren und im vergangenen Jahr waren allerdings schon Einheiten der deutschen Luftwaffe nach Israel verlegt worden, um dort an der internationalen israelischen Übung „Blue Flag“ teilzunehmen, die alle zwei Jahre stattfindet. Für den aktuellen Manövereinsatz werden die israelischen Einheiten bis zum Ende der kommenden Woche in Nörvenich stationiert sein.

          Im vergangenen Jahr reisten erstmals israelische Fallschirmjäger und eine Hundestaffel zu einem Heeresmanöver nach Deutschland, das unter Leitung der amerikanischen Armee in Bayern stattfand. An dieser Übung nahmen rund 300 Soldaten aus Israel teil, die mit amerikanischer Hilfe auch logistisch versorgt wurden, so stellten die Amerikaner etwa die Zubereitung koscherer Mahlzeiten sicher.

          Erinnerung an die Opfer des Olympia-Attentats

          Die Besonderheit der aktuellen Präsenz der israelischen Luftwaffe in Deutschland wurde in dieser Woche auch markiert durch einen gemeinsamen Überflug deutscher und israelischer Flugzeuge – angeführt von den Inspekteuren der beiden Teilstreitkräfte über den Flugplatz Fürstenfeldbruck bei München, um auf diese Weise an die Opfer des Olympia-Attentats von 1972 zu erinnern. Anschließend markierte die gemeinsame Formation durch einen Vorbeiflug am früheren Konzentrationslager Dachau das Gedenken an den Holocaust; später fand in der Gedenkstätte Dachau eine Gedenkzeremonie statt, an der eine Abordnung der israelischen Soldaten und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer teilnahmen. Die Ministerin würdigte das deutsch-israelische Luftwaffenmanöver dabei als ein „deutliches Zeichen der Verbundenheit beider Länder“.

          Kramp-Karrenbauer sagte: „Israel ist und bleibt unser wichtigster strategischer Partner in der von Krisen geschüttelten Region des Mittleren und Nahen Ostens.“ Die umfangreiche Zusammenarbeit der Streitkräfte beider Länder sei „ein besonders sichtbares Zeugnis des Respekts und der Achtung“.

          Deutsche und israelische Militärflugzeuge fliegen am 18. August in Formation über den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck.
          Deutsche und israelische Militärflugzeuge fliegen am 18. August in Formation über den Fliegerhorst Fürstenfeldbruck. : Bild: dpa

          Während gemeinsame Übungen von Soldaten der Bundeswehr und der israelischen Streitkräfte erst seit einigen Jahren mehr und mehr zur Normalität werden – deutsche Kampfflugzeuge sollen auch im nächsten Jahr wieder an „Blue Flag“ in Israel teilnehmen –, ist die Kooperation auf dem Sektor von Ausrüstung und Material schon seit Jahrzehnten üblich.

          Schmiergeldzahlungen bei der Lieferung von U-Booten?

          Hohe Aufmerksamkeit erreichte vor allem in Israel vor mehreren Jahren der Kauf von drei U-Booten und vier Korvetten aus deutscher Produktion für die israelische Marine, weil damit Schmiergeldzahlungen an israelische Empfänger verbunden gewesen sein sollen. Wie schon bei früheren derartigen Bestellungen trug die Bundesregierung auch bei diesen Aufträgen einen Teil der Kosten, bei den Korvetten war die Übernahme eines knappen Viertels des Kaufpreises, bei den U-Booten die Übernahme eines Drittels im Gespräch.

          Umgekehrt sind auch die deutschen Streitkräfte seit vielen Jahren ein Rüstungskunde in Israel. Besonders eng ist die Kooperation gegenwärtig bei der Beschaffung von unbemanntem Fluggerät. Die Bundeswehr hat vor rund zehn Jahren erstmals in einem Leasingverfahren Beobachtungsdrohnen vom Typ Heron bei ihrem Einsatz in Afghanistan benutzt; mittlerweile werden Drohnen dieses Typs auch vom deutschen Kontingent in Mali verwendet. Auch werden deutsche Drohnen-Crews inzwischen in Israel an den Nachfolgemodellen HeronTP ausgebildet, welche die älteren Modelle ablösen sollen. Die neuen Drohnen sind leistungsstärker und außerdem mit Vorrichtungen ausgerüstet, die sie auch zum Tragen von Waffen befähigen. Im vergangenen Jahr wurden neben den deutschen Drohnen-Crews, die rotierend auf einem israelischen Stützpunkt an den unbemannten Fluggeräten ausgebildet wurden, auch permanent einige Luftwaffensoldaten in Israel stationiert, um die Ausbildungsgänge zu koordinieren. Die israelische Armee versah das Ausbildungsprogramm der Luftwaffensoldaten auf ihrem Fliegerhorst mit dem Missionsnamen „Roter Baron“.

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