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Der Papst und der Holocaust : Vatikan weist Merkels Kritik zurück

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Die Rücknahme einer Kirchenstrafe gegen den Holocaust-Leugner Williamson bringt den Papst immer tiefer in die Kritik. Nun fordert auch Kanzlerin Merkel, Benedikt solle klar sagen, „dass es hier keine Leugnung geben kann“. Aus Sicht des Vatikans ist aber schon alles gesagt.

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          Im Streit über die Rücknahme einer Kirchenstrafe gegen den Holocaust-Leugner Richard Williamson hat der Vatikan die Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel am Papst zurückgewiesen. Die Haltung Papst Benedikts zum millionenfachen Mord an den europäischen Juden und zu dessen Leugnung „könnte nicht klarer sein“, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Dienstag. Benedikt XVI. habe diese Haltung auch bei seinen Besuchen in der Kölner Synagoge 2005 und in Auschwitz 2006 sowie vorige Woche in seiner Generalaudienz eindeutig dargelegt.

          Zuvor hatte sich die Kanzlerin in die Diskussion eingeschaltet und den Papst zu einer klaren Äußerung aufgefordert. Wenn durch eine Entscheidung des Vatikans der Eindruck entstehe, dass der Holocaust geleugnet werden könne, dürfe das nicht ohne Folgen bleiben, sagte Frau Merkel am Dienstag in Berlin. „Es geht darum, dass von Seiten des Papstes und des Vatikans sehr eindeutig klargestellt wird, dass es hier keine Leugnung geben kann.“ Diese Klarstellung sei aus ihrer Sicht „noch nicht ausreichend erfolgt“, sagte die Kanzlerin und sprach von einer „Grundsatzfrage“. Nach massiver Kritik am Papst wegen des Zugehens auf die erzkonservative Piusbruderschaft hat der Vatikan inzwischen Fehler eingestanden und ist um eine Entschärfung der Krise bemüht.

          Papst Benedikt XVI. hatte die Rücknahme der Exkommunizierung von vier Bischöfen der Priesterbruderschaft St. Pius bekanntgegeben; darunter ist der Holocaust-Leugner Williamson. Seitdem sieht sich der Papst zunehmender Kritik aus Kirche, Politik und Gesellschaft ausgesetzt. Seinen „Fehler“ müsse Benedikt XVI. „schleunigst korrigieren“, forderte am Dienstag der Parlamentsgeschäftsführer der Grünen, Volker Beck. Auch FDP-Generalsekretär Dirk Niebel verlangte ein klärendes Wort des Papstes.

          Papst Benedikt XVI. hat eine Lawine der Kritik losgetreten

          Beck sagte, der Papst habe der erzkonservativen Piusbruderschaft die Tore zur Kirche geöffnet, „und er muss jetzt klarmachen, dass durch diese Tore niemand kommt, der Antisemit ist oder der den Holocaust leugnet“. Der Vatikan müsse Williamson die Rücknahme seiner Äußerungen sowie eine Entschuldigung an die jüdische Gemeinde zur konkreten Bedingung für eine Wiederaufnahme machen, sagte Beck. „Man kann ja einen Fehler machen, aber den nicht zu korrigieren, das ist völlig unverständlich.“

          Niebel appellierte an den Vatikan, „eine glaubwürdige Lösung finden, wie er sich von der Leugnung des Holocaust distanziert“. Wenn der Dialog zwischen katholischer Kirche und Juden keinen dauerhaften Schaden nehmen solle, „ist das klärende Wort des Papstes nötig“, sagte der FDP-Politiker.

          Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann hatte schon am Montag eine klare Entschuldigung „von hoher Stelle“ gefordert. Die Wiederaufnahme von Williamson bezeichnete Lehmann im SWR als Katastrophe für alle Holocaust-Überlebenden. Der Papst müsse klarstellen, dass die Leugnung des Holocaust kein beliebiges Kavaliersdelikt sei.

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