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Der Nachfolger von Walter Mixa : Ansporn für einen integren Geistlichen

Görlitzer Bischof Konrad Zdarsa Bild: ddp

Der Papst hat ihm das wohl schwierigste Amt anvertraut, das in der katholischen Kirche in Deutschland derzeit zu vergeben ist: Konrad Zdarsa wird die Nachfolge des Augsburger Bischofs Walter Mixa antreten. Ein Portrait.

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          Wenige Monate nach seiner Bestellung zum Bischof von Görlitz fiel Konrad Zdarsa im März 2008 die noch immer heikle Aufgabe zu, namens der deutschen Bischöfe an der Vollversammlung des polnischen Episkopats in Warschau teilzunehmen. Dort schilderte der gebürtige Sachse mit österreichischen und bayerischen Wurzeln nicht nur seinen kurzen Werdegang vom Generalvikar des Bistums Dresden-Meißen zum Bischof der mit etwa 30.000 Katholiken kleinsten Diözese in Deutschland.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Im Blick auf die deutsch-polnische Versöhnung erläuterte Zdarsa auch seinen Wahlspruch als Bischof. Der dem Brief des Apostels Paulus an die Gemeinde von Ephesos entnommene Satz „Er ist unser Friede“ sei ihm ein persönlicher Trost, gelte aber vor allem dem Frieden und Ausgleich innerhalb der Kirche als dem Volk Gottes.

          Zdarsa der einzig wirklich verfügbare

          Der Ausgleich zwischen deutschen und polnischen Katholiken über die Neiße hinweg und das Erlernen der polnischen Sprache wird den 66 Jahre alten Geistlichen nun nicht mehr beanspruchen. Papst Benedikt XVI. hat ihm am Donnerstag das wohl schwierigste Amt anvertraut, das in der katholischen Kirche in Deutschland derzeit zu vergeben ist: Zdarsa wird die Nachfolge des Augsburger Bischofs Walter Mixa antreten, der Ende April unter dem Eindruck skandalöser Verfehlungen gegen die priesterliche Lebensweise auf sein Amt verzichtet hatte.

          Dass zwischen der Annahme des Amtsverzichts Mitte Mai und der Ernennung eines Nachfolgers nicht einmal zwei Monate vergingen, sagt indes mehr über die dramatische Lage in dem von Mixa seit 2005 geleiteten Bistum aus als über die Qualifikation des neuen Bischofs. Bis auf wenige Jahre, die Zdarsa zur Promotion im Fach Kirchenrecht in Rom verbrachte, war er stets in der recht überschaubaren Welt des ostdeutschen Diaspora-Katholizismus beheimatet, ohne darin durch überdurchschnittliche Gaben etwa als Seelsorger oder Intellektueller aufzufallen. Allerdings stellte sich auf der Suche nach einem Nachfolger Mixas bald heraus, dass Zdarsa der Einzige sei, der dem wichtigsten aller Erfordernisse genügen könne: Verfügbarkeit.

          Schnelle Entscheidung

          Denn eines hatten die Gewährsleute Benedikts XVI. in den Reihen der Deutschen Bischofskonferenz dem Papst und seinen Beratern unmissverständlich nahegebracht: Das übliche, bis zu einem Jahr dauernde Verfahren der Bischofsernennung mit einer zeitraubenden Auswahl und einer noch zeitraubenderen Begutachtung möglicher Kandidaten würde nur die ohnehin tiefen Gräben, die Mixa und seine Entourage in der 1,4 Millionen Katholiken zählenden Diözese in Bayern hinterlassen haben, nur noch tiefer werden lassen. Benedikt zögerte nicht.

          In der Person des Görlitzer Bischofs fand er einen integren Geistlichen, der als „Ortsbischof“ ohne Beteiligung Dritter ohne Umschweife ernannt werden konnte, um das Vakuum an der Spitze des Bistums Augsburg schnell und so gut wie möglich auszufüllen. Sein Wahlspruch wird Zdarsa von nun an in Bayern Trost und Ansporn sein müssen.

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