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Ergebnisse des Prüfberichts : Der Bischof kannte die wahren Kosten schon früh

Mindestens als Bauherr durchgefallen: Franz-Peter Tebartz-van Elst Bild: dpa

Konsequent falsch kalkulierte Kosten, ausufernde Wünsche für das Bauvorhaben, Verschleierung – der Abschlussbericht zum Bischofssitz in Limburg wirft Tebartz-van Elst schwere Versäumnisse vor.

          2 Min.

          Der zurückgetretene Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst trägt zum großen Teil die Verantwortung für die Explosion der Kosten beim Neubau des Bischofssitzes in Limburg und war früher, als er bisher eingeräumt hat, von ihrem wahren Ausmaß informiert. Sie könnten noch um einige hunderttausend Euro höher liegen als die derzeit veranschlagten 31,7 Millionen Euro. Zu diesen Ergebnissen kommt der am Mittwoch veröffentlichte, 108 Seiten umfassende Abschlussbericht der Bischofskonferenz, der auch weiteren Beteiligten an dem Projekt Versäumnisse vorwirft. So habe der vom Bischof eingesetzte Vermögensverwaltungsrat seine Pflichten zur Kontrolle des Bauvorhabens und dessen Kosten nicht in ausreichendem Maße erfüllt.

          Helmut Schwan
          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Schon im Jahr 2004, als erste Überlegungen für ein neues Haus der Bischöfe angestellt wurden, sei die zurückgelegte Summe von zwei Millionen Euro (aus Kirchensteuermitteln) erkennbar zu niedrig angesetzt gewesen. Der Fehler, die Summen zu tief zu kalkulieren, zieht sich laut Bericht durch die gesamte Planungsphase.

          Verträge zu Ungunsten des Bistums

          Dass der Bischof und sein damaliger Generalvikar Kaspar mit den Jahren das Projekt immer stärker an sich zogen und gegen kirchenrechtlich statuierte Prinzipien der Transparenz verstießen, dass sie zuvor verantwortliche Gremien wie das Domkapitel und die Innenrevision entpflichteten, trug nach Einschätzung der Kommission dazu bei, dass die Kosten völlig aus dem Ruder liefen. Klare Zielvorgaben hätten gefehlt, der Bischof habe als „Bauherr“ ständig in die Planung und Ausführung eingegriffen und dabei die Verantwortung für die Kosten ausgeblendet. Die Verträge seien meist zu Ungunsten des Bistums abgeschlossen worden, und das Vorhaben habe unter einem „hausgemachten“ Zeitdruck gestanden: Dies nennt der Bericht als weitere wesentliche Gründe, weshalb die Kosten alle, zwischendurch immer wieder neu gesetzten Rahmen sprengten.

          Die Kommission zeichnet auch den Versuch des Bischofs nach, die steigenden Kosten geheim zu halten. So wurden Vertragspartner zur Verschwiegenheit verpflichtet, Nachrichten kursierten in versiegelten Briefumschlägen. Zunächst das Domkapitel und später noch intensiver der Bischof seien über Reaktionen in der Öffentlichkeit besorgt gewesen und hätten daher erkennbar zu niedrige Zahlen publiziert. So sei dem Bischof und den übrigen Beteiligten spätestens seit der Sitzung des Vermögensverwaltungsrats Anfang Juli 2011 bekanntgewesen, dass deutlich mehr als die zwischenzeitlich veranschlagten 17 Millionen anzusetzen sei.

          Ein Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes in Limburg
          Ein Luftbild zeigt den Neubau des Bischofssitzes in Limburg : Bild: dpa

          Der Bericht verweist zum Beleg dafür, dass die wahren Zahlen verborgen bleiben sollten, auch auf die Pressekonferenz am Tag vor der Einweihung des Hauses am 29. Juni 2013. Der Diözesanbaumeister nannte – nach seinen Angaben auf Anweisung des Bischofs – einen Betrag knapp unter zehn Millionen, obwohl er tatsächlich dreimal so hoch lag. Spätestens mit der Unterschrift im September 2013 unter das Protokoll einer gemeinsamen Sitzung mit dem Vermögensverwaltungsrat sei nachgewiesen, dass Tebartz-van Elst von den tatsächlichen Kosten in Höhe von 31,7 Millionen Euro gewusst habe. Das bedeute aber auch, dass ihm dies während des Besuchs des vom Papst gesandten Vermittlers Giovanni Kardinal Lajolo schon bekanntgewesen sei.

          Ob er diesem die Unwahrheit sagte, dazu schweigt der Bericht. Und er konstatiert formal keinen Verstoß gegen die sogenannte „Romgrenze“, die verlangt, Ausgaben von mehr als 5 Millionen Euro vom Vatikan genehmigen zu lassen. Allerdings sei das Vorhaben deswegen in 16 Architektenverträge aufgespalten worden.

          Die Mittel seien, bis auf zwei Millionen aus Steuermitteln, weitgehend aus dem Vermögen des Bischöflichen Stuhls geflossen. Mit der Wertung, „bilanziell“ sei kein wirtschaftlicher Schaden entstanden, schließlich sei durch den Neubau Anlagevermögen entstanden, überrascht die Kommission, um zu dem Schluss zu kommen: Das Ensemble sei eine „beachtliche Architekturleistung“. Allerdings habe dies einen „sehr hohen Preis“ gefordert – was die Kosten und die Folgen für die Beteiligten angehe.

          Was die Kosten im neuen Bischofssitz in die Höhe trieb (Beispiele aus dem Kommissionsbericht):

          • Planänderungen und Zusatzaufträge: 8,3 Millionen Euro
          • Absenkung des Baugrundes, Freilegen des Kellers: 2,7 Millionen Euro
          • Ausstattung der Räume und Kunstwerke: 1,17 Millionen
          • Möbel- und Tischlerarbeiten: 1,15 Millionen
          • Fensterrahmen (Bronze) und Verglasung: 1,73 Millionen
          • „Garten der Stille“: 667.000 Euro
          • Beleuchung: 650.000 Euro
          • Hochwertige Innentüren: 490.000 Euro
          • Fassadenverkleidung Kapelle mit Naturstein: 344.000 Euro
          • Medientechnik: 280.000 Euro
          • Wasserbecken für Zierfische: 213.000 Euro

          Die viel diskutierten Posten Badewanne (37.000 Euro für das Badezimmer insgesamt) und Adventskranz (18.000) rangieren in der Tabelle unter „ferner liefen“.

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