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NPD-Hochburg Ferdinandshof : Frust als Lebenshaltung

Charmant auf den zweiten Blick: Ferdinandshof in Mecklenburg-Vorpommern Bild: Jens Gyarmaty

Ferdinandshof in Vorpommern gilt als Hochburg der rechtsextremen NPD. Das Dorf geht mit dem Thema erstaunlich gelassen um. Schwerer wiegen andere Sorgen.

          5 Min.

          Der größte und lauteste Konflikt mit der NPD liegt schon etwas länger zurück. Im Spätsommer 2011 gab es im vorpommerschen Ferdinandshof einen Aufzug der Partei. Hundert Anhänger marschierten mit Trommeln und Fahnen durch den Ort. Der Bürgermeister eilte herbei und organisierte eine kleine Gegendemonstration. Auch ein paar Linksradikale reisten an und blieben den Ferdinandshofern in Erinnerung, weil sie Flaschen warfen und Müll hinterließen. Die Kinder liefen, verschreckt vom martialischen NPD-Lärmen, davon. Ein paar Alte hatten Tränen in den Augen, weil sie sich an schlimme Zeiten erinnert fühlten. In der Gemeindevertretung fand das ein Nachspiel.

          Frank Pergande
          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Das NPD-Mitglied dort wurde zur Rede stellte. „Und da war es mit dem netten Herrn von nebenan, der sich um alles kümmert, dann doch mal vorbei“, meint Gerold Seidler, damals der Bürgermeister, im Hauptberuf Leiter der Grundschule von Ferdinandshof. Für die NPD saß seinerzeit Tino Müller in der Gemeindevertretung. Er gehört in gewisser Weise zur Parteiprominenz. Seit 2006, als die Partei in den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einzog, sitzt er mit im Schweriner Schloss. Er gilt als die personifizierte Verbindung von NPD und Kameradschaften. Bei der zurückliegenden Landtagswahl 2011 stand er auf Listenplatz zwei.

          „Nicht piep und nicht papp“

          Auch 2010 hatte die NPD in Ferdinandshof auf sich aufmerksam gemacht. Ein entlassener Sexualstraftäter kehrte aus der Haft in das Dorf zurück. Die Aufregung war groß bei den Dorfbewohnern. Da rückte die NPD an und forderte die „Todesstrafe für Kinderschänder“. Damit war Ferdinandshof zumindest in den Medien endgültig zu einem der braunen Flecke auf der an braunen Flecken reichen ostdeutschen Karte geworden. Und es stimmt ja auch: Obwohl es spektakuläre Aktionen der Partei schon lange nicht mehr gegeben hat, erzielte die Partei bei der zurückliegenden Kommunalwahl 2014 noch immer sieben Prozent der Stimmen.

          Müller allerdings hatte es 2011 auf fast zehn Prozent geschafft. Er ist inzwischen weggezogen. Seinen Platz in der Gemeindevertretung nahm Christian Alsdorf ein. Der wurde jüngst gesehen, als er Handzettel gegen die geplanten Windparks rund um den Ort verteilte. „So machen sie es immer, sie springen auf kritische Themen auf, ob Flüchtlinge oder Windparks“, sagt Gerd Hamm, derzeit der Bürgermeister. „In der Gemeindevertretung aber sitzt er nur da, sagt nicht piep und nicht papp.“

          Lehrstand und Arbeitslosigkeit bei 18 Prozent; fast die Hälfte der Einwohner sind weg.
          Lehrstand und Arbeitslosigkeit bei 18 Prozent; fast die Hälfte der Einwohner sind weg. : Bild: Jens Gyarmaty

          Das NPD-Ergebnis in Ferdinandshof fällt zwar besonders auf, aber traditionell kommt hier die CDU auf eine absolute Mehrheit. Und die Gemeindevertretung hat sich entschieden, die NPD weitgehend zu ignorieren. „Demokratie muss so etwas aushalten“, meint Hamm. „Auf platte Argumente lässt sich nur schwer vernünftig antworten.“ Also wurde etwa im vergangenen Sommer der NPD ohne weiteres in der Mitte des Dorfes am „Brandstall“ der Platz für ihr Kinderfest genehmigt. Hamm: „Die zahlen für den Platz in die Gemeindekasse, und wir sehen dann ja, wie wenig Leute am Ende dorthin kommen.“ Außerhalb von Ferdinandshof werden solche Entscheidungen freilich kritisiert, etwa auf der SPD-nahen Internetplattform „Endstation Rechts“. Die monierte, dass die Gemeinde nicht rechtzeitig über den NPD-Termin informiert habe. Politik und Verwaltung sollten „zukünftig entschlossen mit der Zivilgesellschaft zusammenarbeiten“, ist dort zu lesen. Dann würden „NPD-Kinderfeste sicherlich auch auf mehr Protest stoßen“.

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