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Der Fall Lübcke : Wie Stephan E. sich jahrelang radikalisierte

Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) am 2. Juli 2019 zu einem Hubschrauber gebracht. Bild: dpa

Akten belegen: Der mutmaßliche Mörder von Walter Lübcke stolperte getrieben von Hass und Neid durch sein Leben. Was die Ermittler wissen und was erst das bald beginnende Verfahren zeigen kann.

          10 Min.

          Stephan E. ist 15 Jahre alt, als er beschließt, ein Haus anzuzünden, in dem vor allem Türken leben. Über einen der Bewohner hatte er sich geärgert, er will ihnen, wie er später sagt, einen „Denkzettel“ geben. Er verteilt Benzin im Keller des Hauses und entzündet es – aufgrund der Bauweise des Hauses entsteht nur ein Sachschaden, niemand wird verletzt. Es ist die erste schwere Straftat, die der Sohn eines Betonfachwerkers und einer Zahntechnikerin begeht. Er macht einen Hauptschulabschluss, die Noten sind schlecht. Während seiner Ausbildung zum Holzmechaniker gerät er immer wieder in Konflikte mit Kollegen und dem Meister, wird letztlich rausgeworfen.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Stephan E. stolpert getrieben von Hass- und Neidgefühlen durch sein Leben, so lesen sich die Akten über ihn. In einer Bahnhofstoilette, die er besucht, als er mal wieder durch Wiesbaden irrt, fühlt er sich von einem Mann am Urinal, den er für einen Ausländer hält, sexuell belästigt. Der junge Mann sammelt sich kurz in einer Toilettenkabine und stößt dem Mann dann hinterrücks ein Messer in den Rücken. Bald darauf fühlt er sich im Jugendgefängnis bedroht und prügelt mit einem abgebrochenen Metallstuhlbein auf einen Mitgefangenen ein. Er ist zornig, von Hass gegen Fremde erfüllt und scheint über keinerlei Impulskontrolle zu verfügen. Mit 21 Jahren baut er eine Rohrbombe, die er in einer Gemeinde im Taunus in einem leeren Auto vor einer Flüchtlingsunterkunft deponiert. Dabei geht das Auto in Flammen auf, die Bewohner können es löschen, wodurch die Bombe nicht zündet. Stephan E. wird verurteilt, sechs Jahre nach Jugendstrafrecht. Seit dem missglückten Rohrbombenanschlag führt ihn der Verfassungsschutz als Extremisten. Er vernetzt sich in der rechtsextremen Szene, tritt kurzzeitig der NPD bei. Er geht auf viele Demonstrationen, wird mehrmals wegen Körperverletzung verurteilt.

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