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Militärflugzeug A400M : Der einstige Pannenvogel wird langsam nützlich

Ein Airbus A400M steht während einer Präsentation der Bundeswehr auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel Bild: dpa

Lange gab es kaum gute Nachrichten über den A400M. Doch jetzt kann das Militärflugzeug Schwerverletzte aus Krisengebieten bringen.

          Allmählich zeigt das neue Transportflugzeug A400M, was es kann: Das lange von Pannen und Verspätungen geplagte wichtigste Lufttransportmittel der Bundeswehr vervollständigt immer mehr Einsatzmöglichkeiten. Am Dienstag präsentierte die Luftwaffe eine Maschine des neuen Typs auf dem militärischen Teil des Berliner Flughafens Tegel als „fliegende Intensivstation“. Die A400M, die eigentlich den Typnamen „Atlas“ trägt, kann künftig in ihrem Laderaum bis zu sechs Module aufnehmen, die jeweils einem kompletten intensivmedizinischen Versorgungsplatz entsprechen. Damit vermag der Transportflieger bis zu sechs Schwer- oder lebensbedrohend Verletzte auf einmal aus einem Einsatzgebiet auszufliegen. Werden weniger Intensivmodule in das Flugzeug eingerüstet, können zusätzlich Tragen oder Sitze für Leichtverletzte installiert werden.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Die A400M galt lange als Symbol für Pech und Pannen bei Rüstungsgroßprojekten der Bundeswehr. Schon in der Planungs- und Erprobungsphase sammelte das ehrgeizige, vom deutsch-französischen Luftfahrtkonzern Airbus entwickelte Flugzeug mehr als ein Jahrzehnt Verspätungen ein. Lange galt der Turbopropantrieb des Transporters als eine der größten Ursachen für Kostensteigerungen und Verzögerungen. Nachdem im Jahr 2014 endlich mit der Auslieferung der ersten Maschinen begonnen worden war, zeigten sich bald neue Störungen in den Turbinengetrieben. Außerdem begann die Auslieferung der Flugzeuge ohne ihre komplette Ausstattung und ihr vollständiges Fähigkeitsprogramm, da manches Zubehör noch nicht serienreif vorhanden war und manche Einsatzmöglichkeit noch nicht hatte umfassend erprobt werden können.

          Respektable Reichweite und Ladekapazitäten

          Die Entwicklung der Atlas-Transporter war maßgeblich von Deutschland und Frankreich betrieben worden, deren Armeen beide über das vor einem halben Jahrhundert beschafften Transportflugzeug Transall C-160 verfügten, dessen Einsatzzeit nun zu Ende geht. Weitere Bestellungen für den A400M kamen aus Großbritannien, der Türkei und Malaysia. Die neuen Flugzeuge leisten theoretisch, was Reichweite und Ladekapazitäten angeht, das drei- bis vierfache einer Transall. Deutschland bestellte ursprünglich 53 A400M, reduzierte die Zahl der Maschinen, die von der Luftwaffe betrieben werden sollten, dann aber auf 40.

          Mittlerweile hat das Verteidigungsministerium wieder umgedacht und kalkuliert angesichts der veränderten Nato-Strategie gegenüber der russischen Aggressionspolitik mit höherem Transport- und Truppenverlegebedarf. Jetzt sollen doch alle 53 einst bestellten Flugzeuge von der Bundeswehr abgenommen werden, für 13 davon werden allerdings zum Betrieb Partnerländer gesucht. Es gibt Überlegungen, diese Flugzeuge gemeinsam mit den Streitkräften Österreichs und der tschechischen Republik zu betreiben und Ausbildung und Wartung in Kooperation zu bewerkstelligen; entsprechende Verträge sind jedoch bislang noch nicht geschlossen worden.

          Mittlerweile verfügt die Luftwaffe am Standort Wunsdorf bei Hannover über 19 Flugzeuge des Typs A400M; die Auslieferung aller Flugzeuge soll im Jahr 2026 abgeschlossen sein. Nach Angaben aus dem Lufttransportgeschwader 62 sind meist 50 bis 60 Prozent der ausgelieferten Transporter einsatzbereit, die übrigen durchliefen Wartungsintervalle oder würden vom Hersteller mit weiterer Technik ausgerüstet. Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die an den A400M nachgerüstet werden musste, ist der ballistische Schutz, also die Ablenkung anfliegender Raketen, durch den Ausstoß von Metallteilchen, welche Radar-Sensoren irritieren.

          Noch immer kein Infrarot- und Radarschutz

          Erst die Ausrüstung mit diesen Ablenkungssystemen, die mittlerweile zur Verfügung stehen, ermöglicht es den Atlas-Flugzeugen, Truppen und Gerät direkt in Einsatzgebiete der Bundeswehr im Ausland zu bringen, in denen mit feindseligen Handlungen gerechnet werden muss. Die Nachrüstung mit dem ballistischen Schutz hat daher die Einsatzmöglichkeit des A400M stark vergrößert. Vor einigen Tagen brachte erstmals ein Transporter des neuen Typs Material nach Afghanistan und landete direkt auf dem Flugplatz neben dem deutschen Camp in Masar-i-Sharif.

          Wenige Wochen zuvor wurde erstmals die Luftbetankungs-Einrichtung des A400M in Betrieb genommen; der Flieger kann nun, wie die Airbus-Tanker der Luftwaffe auch, gleichzeitig zwei Kampfflugzeuge in der Luft mit Treibstoff versorgen. Auch das Absetzen von Fallschirmspringern in der Luft ist mittlerweile eine zertifizierte Aufgabe der Atlas. Zu den technischen Fähigkeiten, die dem Flugzeug vorerst weiter fehlen, gehören ein Infrarot- und ein Radarschutz.

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