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Maßnahmen gegen die Pandemie : Corona-Hammer ohne Unterschiede

Spielplan des Residenztheaters Bild: dpa

Die Corona-Maßnahmen leiden an ihrer groben Form. Es sind aber nicht alle gleich betroffen. Das macht Solidarität schwierig. Die Profiteure sollten abgeben.

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          Die Corona-Maßnahmen und ihre Akzeptanz leiden an ihrer groben Form. Solange immer noch wenig bekannt ist, muss der große Hammer geschwungen werden, der alle trifft – um wenigstens eine flächendeckende Wirkung zu erzielen. Das Problem: Es sind nicht alle gleich betroffen.

          Wer Platz hat und sich selbst genug ist, für den ändert sich kaum etwas im Vergleich zu dem, der täglich raus und viele Menschen treffen will oder muss. Das ist nicht nur, aber auch eine Altersfrage. Wer ein garantiertes Einkommen hat, erlebt die Pandemie anders als derjenige, der durch den Lockdown und trotz der Hilfen vor den Trümmern seiner Existenz steht.

          Bald wieder individuell entscheiden

          Insofern ist der Aufruf zu Solidarität so unbestimmt wie die Pandemie selbst. Eine Flut oder ein Sturm sind sichtbare Katastrophen, mit bald eingrenzbaren Schadensgebieten und Opfergruppen. Hier fallen Solidarisierung und Mobilisierung leichter.

          Und auch wenn jetzt drastische Vergleiche bemüht werden: In der Pandemie sind die echten Opfer erst mit Verzögerung sichtbar, und die Volksgesundheit bleibt abstrakt, bis die Intensivstationen voll sind. Von den präventiven Eingriffen sind aber viele konkret betroffen. Deshalb muss möglichst bald, das deutet sich in den Ländern ja auch schon an, wieder individuell, regional, je nach konkreter Lage und Risikogruppe reagiert werden.

          Was tun? Es geht nicht nur um die (Um-)Verteilung von Mitteln. Warum nicht diejenigen, die von der Krise profitieren – auch die gibt es ja: Lieferunternehmen und Supermärkte etwa –, zugunsten derer heranziehen, von deren Schließung sie begünstigt werden (etwa in der Gastronomie)?

          Auch die Jugend erbringt Sonderopfer

          Es ist ferner klar, dass und wo Personal fehlt. Die Bundeswehr wird schon zur Hilfe eingesetzt. Warum nicht auch andere aus dem öffentlichen, medizinischen oder privaten Bereich in die (solidarische) Pflicht nehmen, die gerade nicht viel zu tun haben?

          Dass die Jungen, die den eigenen Tod durch Corona kaum fürchten müssen, gleichwohl im eigenen Interesse, aber auch zum Schutz insbesondere der Alten auf Kontakte verzichten müssen, sollte einleuchten – muss aber auch anschaulich begründet werden. Denn auch die Jugend erbringt ein Sonderopfer. Nicht nur heute. Deshalb müssen Schutz und Ausgleich sich möglichst nach Risiko und Lasten richten.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“ und F.A.Z. Einspruch, zuständig für „Staat und Recht“.

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