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Der Aufstieg von Markus Söder : Ein lernendes System

  • -Aktualisiert am

Angekommen: Markus Söder in seinem neuen Arbeitszimmer. Bild: dpa

Markus Söder ist zum Ministerpräsidenten Bayerns gewählt worden. Jeder wusste, dass er es werden wollte. Trotzdem hat er es geschafft.

          8 Min.

          Markus Söder, 51 Jahre alt, verheiratet, Vater von vier Kindern, ist jetzt bayerischer Ministerpräsident. Das ist in gewisser Weise völlig logisch. Denn seine Karriere, manche sagen: sein Leben, war darauf ausgerichtet. Dass es trotzdem geklappt hat, dass er an den eigenen Erwartungen und den Widerständen anderer nicht zerbrochen ist, das ist das Erstaunliche. Es spricht für seine Robustheit. Seine Gegner würden sagen: für seine Härte – um keine unschöneren Begriffe zu verwenden.

          Timo Frasch

          Politischer Korrespondent in München.

          Söder wurde in Nürnberg geboren. Zusammen mit einer Schwester wuchs er in einer protestantischen Familie auf, in der der Vater offenbar ein strenges Regiment führte. Markus Söder war ein sehr guter Schüler – zumindest dann, wenn es darauf ankam – und ein fescher Kerl dazu. Auf Fotos sieht man, wie er mit der Kamera flirtet, eine Fähigkeit, die er inzwischen zur Meisterschaft getrieben hat. Im Leben vieler Politiker verschwimmen irgendwann Erinnerung und Legende zu einem, wie es heute heißt: Narrativ. Für Söder gilt das auch, vielleicht sogar besonders. Alles in seinem Leben scheint, wenn er davon erzählt, einen Sinn zu ergeben oder einen Hintersinn zu haben, ob es nun um das Poster von Franz Josef Strauß in seinem Kinderzimmer geht oder um seine Zugehörigkeit zu einem Gebetskreis.

          Umfragen zeigen, dass die Bürger Söder mehrheitlich für kompetent halten, für durchsetzungsstark sowieso. Aber beim Menschlichen sehen er und seine wachen Mitarbeiter noch Luft nach oben. Also versuchte sich Söder zuletzt von einer anderen Seite zu zeigen. Auf seiner Tour durchs Land mit dem Titel „Markus Söder persönlich“ sagte er vor kurzem in Bad Tölz: „In einer Welt, in der nur der Schönste, Stärkste, Beste zählt“, sei die Botschaft des christlichen Glaubens doch wunderbar: „Egal, wer du bist, ich nehme dich an.“ Die Crux an der Sache hatte er, der schon rein äußerlich zum Silberrücken taugt, wenige Minuten zuvor selbst thematisiert: Eine Journalistin der „Zeit“ habe ihm gesagt, sie glaube ihm nicht, dass er glaube. Das mag ungerecht sein, zumal es im Leben Markus Söders durchaus Schicksalsschläge gab, die einem Menschen den Weg zu Gott weisen können, etwa den frühen Tod von Mutter und Vater. Die „Zeit“ dürfte auch zu den Blättern gehören, die Söder fernab von den richtig wirklichen Menschen in der „Champagner-Etage“ ansiedelt. Und doch scheint die Journalistin einen Punkt getroffen zu haben, zumindest bei ihm.

          Nur einer hätte Söders Aufstieg gefährden können

          Söder sagt von sich selbst, er stamme aus kleinen Verhältnissen. Das sagen fast alle Politiker, um den eigenen Aufstieg noch verdienstvoller erscheinen zu lassen. Wie klein die Verhältnisse bei Söder waren, darüber lässt sich streiten. Nürnberg ist im Vergleich zu Schliersee oder Sonthofen sicher ein rauher Ort. Sein Vater war Maurer, aber immerhin hatte er einen kleinen Betrieb, in dem die Mutter mitgearbeitet hat. Auf jeden Fall waren die Verhältnisse klein genug, dass der junge Markus lernte, zu kämpfen, wenn auch nie so, dass es nicht nach Kampf aussah. Vielleicht hat auch das mit der Herkunft zu tun. Zumindest war es beim hochwohlgeborenen Karl-Theodor zu Guttenberg anders. Er war als personifizierte Mühelosigkeit der einzige, der Söder, dem unermüdlichen Arbeiter und Perfektionisten, wirklich hätte gefährlich werden können. Dass „KT“ nun wohl Geschichte ist, wegen allzu großer Mühelosigkeit, dürfte dem promovierten Juristen Söder so viel Genugtuung bereiten, dass er seinen alten Witz nicht mehr braucht: „Ich hab’ meinen Doktor gemacht – und behalten.“

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