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Wählersuche bei den Bauern : Die AfD will den Wolf jagen

Freund oder Feind? Wolf in einem Gehege im Wildpark Neuhaus Bild: dpa

Die AfD versucht, auch Bauern als Wähler zu gewinnen. Deshalb soll es eine „Obergrenze“ für Wölfe geben. Es brauche jedoch mehr „fremdländische Baumarten“.

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          Der Wolf in Deutschland soll nach dem Willen der AfD bejagt werden. „Wir brauchen Obergrenzen, denn wir brauchen in Deutschland keine 2000 bis 3000 Wölfe“, sagte der AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Felser am Montag bei der Vorstellung des forst- und jagdpolitischen Leitbildes der Partei unter dem Titel „Forst-Kultur-Heimat“. Schon jetzt gebe es rund tausend Tiere. Der Wolf sei zwar eine „tolle Wildart“, aber er werde immer zutraulicher, zudem gebe es „verhaltensauffällige Einzelexemplare“. Wölfe seien sehr intelligent und könnten daher auch Schutzzäune von mehr als 1,40 Meter Höhe überwinden. Deswegen müssten Wölfe, die sich auf Haustiere spezialisiert hätten, „prioritär entnommen“ werden, so Felser, der selbst aktiver Jäger ist. Der Wolf müsse ins Bundesjagdgesetz und die Jagdgesetze der Länder aufgenommen werden. Dann sollten regionale Wolfsmanagementpläne mit definierten Obergrenzen entwickelt werden.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Der Wald in Deutschland befinde sich in einer schweren Krise, sagte der bayerische Abgeordnete. Das hänge mit der extremen Dürre oder Trockenheit der vergangenen zwei Jahre zusammen. Sie habe „wahrscheinlich mit dem Klimawandel“ zu tun. Deswegen brauche es „klimastabile Mischwälder“, es müssten insbesondere im Staatswald Laub- und Nadelbäume verwendet werden, die auch unter trockeneren Verhältnissen gediehen. Dafür sei es notwendig, auch „fremdländische Baumarten“ in Deutschland zu verbreiten, etwa aus osteuropäischen Ländern wie Bulgarien, da sie hitzeresistenter seien.

          „Waldpädagogik“ statt „Klimahysterie“

          Trotz der Anerkennung, dass der Klimawandel für den Zustand des Waldes entscheidend sei, sprach Felser von einer „Klimahysterie“ in Deutschland. Sie beruhe auf der Auffassung, dass Deutschland am globalen Klimawandel entscheidend etwas ändern könne. Felser kritisierte die Verbände der Waldeigentümer. Sie glaubten, sie müssten auf die „Klimahysterie“ reagieren und am Zertifikatehandel teilnehmen. Die AfD legt zudem im Rahmen der „Waldpädagogik“ Wert auf Erhalt und Förderung von Jugendwaldheimen und Waldschulen. Der „Tag im Wald“ mit dem Förster soll wieder Standardprogramm von der ersten bis zur zehnten Klasse werden, heißt es im Leitbild.

          Zu den agrarpolitischen Vorstellungen der AfD äußerte sich angesichts der Proteste der Bauern der Abgeordnete Stephan Protschka. Er sprach sich dafür aus, kleinere und mittlere bäuerliche Betriebe zu schützen. Gegen große landwirtschaftliche Betriebe, etwa in der Tierzucht, werde die AfD aber keine Politik machen. „Wir werden die Zeit nicht zurückdrehen können“, sagte Protschka. „Massentierhaltung“ sei ein „Kampfbegriff“ gegen die Landwirte, der von Linken und Grünen verwendet werde. Ein staatliches Tierwohllabel lehnt die AfD ab, die freiwillige Kennzeichnung der Privatwirtschaft reiche aus.

          Protschka kritisierte auch die neue Düngeverordnung. Die zu hohen Nitratwerte, die von der EU bemängelt werden und deretwegen Deutschland mit Strafzahlungen in Millionenhöhe hätte rechnen müssen, lägen an einer falschen Messtechnik. Er bezweifle, dass es überhaupt überhöhte Nitratwerte gebe.

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