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Illegale Einreise : Den Schleusern auf der Spur

Ein Zollbeamter kontrolliert am 21. Mai 2015 am Hauptbahnhof Karlsruhe Reisende in einem Bus. Der Schwerpunkt des Einsatzes ist es, illegal Eingereiste zu finden. Bild: dpa

Auch auf deutschen Autobahnen versucht die Polizei, der illegalen Einreise Herr zu werden. Doch die Menschenschleuser agieren geschickt und koordiniert.

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          Sascha Roth bleiben bei dieser Fahndungsaktion nur wenige Sekunden. Der Oberkommissar der Bundespolizei muss aus seinem VW-Passat bei 120 Stundenkilometern schnell erkennen, ob ein Fahrzeug verdächtig sein könnte. Bundespolizei, Zoll und Landespolizei versuchen an diesem Tag in einer gemeinsamen Aktion, dem Treiben der Schleuserbanden auf deutschen Autobahnen auf die Spur zu kommen. Autobahnen sind anonyme Räume, in denen alles auch noch in hoher Geschwindigkeit geschieht. Roth und seine Kollegen wollen Kleintransporter und Busse aus dem Verkehr ziehen und kontrollieren, in denen illegale Flüchtlinge versteckt sein könnten.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Etwa 15 Polizisten haben auf dem Parkplatz „Schleifweg“ an der A5, wenige Kilometer südlich der badischen Kleinstadt Malsch, einen Kontrollposten aufgebaut. Roth fährt auf der Autobahn immer wieder ein paar Kilometer in Richtung Basel, wendet bei Rastatt und versucht dann, aus dem fließenden Verkehr verdächtige Fahrzeuge herauszufischen. Zum Beispiel Reisebusse aus Italien, Österreich oder der Schweiz oder Kleintransporter mit osteuropäischen oder italienischen Kennzeichen. Das Dunkelfeld der Schleuserkriminalität aufzuhellen ist ein mühsames Geschäft für die Polizei, ein Puzzlespiel, das viel Geduld erfordert.

          Die Schleuser sitzen in Libyen und steuern ihre Geschäfte zumeist über Mittelsmänner in Italien. Eine wichtige Zwischenstation ist Mailand. Die Helfer der Schleuser in Europa arbeiten wie Drogenkuriere. Es handelt sich häufig um arbeitslose Einwanderer aus Italien, sie werden kurzfristig als Transporteure angeworben, bringen die Flüchtlinge über die Grenze und verschwinden dann wieder. Häufig kaufen die Schleuser den Flüchtlingen in Italien eine Bahnfahrkarte und setzen sie in den Zug. Seit die Bundespolizei in den Zügen auf den Strecken Basel–Karlsruhe und Paris–Stuttgart den Kontrolldruck erhöht hat, weichen die Schleuser auch auf die Autobahnen aus, dann brauchen sie aber zumindest für ein paar Stunden einen Fahrer, der die Flüchtlinge in die Nähe einer Landeserstaufnahmestelle fährt.

          Pro Tag kommen 200 Flüchtlinge in Karlsruhe an

          Die Autobahnen sind noch schwerer zu kontrollieren als die Züge. „Wir finden manchmal Fahrzeuge, da sind 16 Personen drin, eingenässt, nicht angeschnallt, hungrig. Der Migrationsdruck ist hoch. Wir stellen fest, dass die Schleuser immer skrupelloser werden. Sie lassen die Flüchtlinge manchmal direkt vor der zentralen Landeserstaufnahmestelle in Karlsruhe raus“, sagt Roth. Pro Tag kommen allein nach Karlsruhe mehr als 200 Flüchtlinge. Die Behörden können sie an manchen Tagen nur in beheizten Zelten unterbringen.

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