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Demonstrierende Asylbewerber : Hungern, bis der Antrag durch ist

Hungerpropheten: Doosthossein, Khorasani und Hedayatzadeh Bild: Müller, Andreas

Die Radikalität protestierender Flüchtlinge verunsichert selbst linksextreme Sympathisanten. Nach dem Hungerstreik planen die Aktivisten nun wochenlange Protestmärsche durch Bayern.

          5 Min.

          Als Hans-Jochen Vogel im Juni das Zeltlager von hungerstreikenden Asylbewerbern am Münchner Rindermarkt besuchte, kam ihm schnell der Verdacht, es mit „Fanatikern“ (Vogel) zu tun zu haben. Der frühere SPD-Vorsitzende war von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) gebeten worden, gemeinsam mit dem früheren Landtagspräsidenten Alois Glück (CSU) als Vermittler die wachsende Lebensgefahr für die Hungerstreikenden abzuwenden.

          Justus Bender

          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Vor beiden stand nun, mit Regenmantel und Vollbart, Ashkan Khorasani, ein aus Iran geflüchteter Kommunist, der sich als „Bote“ der hungerstreikenden Flüchtlinge vorstellte. Khorasani überbrachte die Forderung der Hungernden: die Anerkennung ihrer Asylanträge binnen drei Tagen. Als Vogel ihm bedeutete, eine willkürliche Entscheidung gegen das geltende Asylverfahrensgesetz sei allenfalls in einer Diktatur möglich, nicht aber in einem Rechtsstaat, überbrachte Khorasani nach Rücksprache mit den Lagerbewohnern eine neue Forderung: Er wollte eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung für alle Beteiligten erreichen.

          Sollte es Tote geben, sei das nicht seine Schuld

          Andernfalls werde der Hunger- und Durststreik auf unbestimmte Zeit fortgesetzt - mit dem Risiko von Todesfällen. Auf die mahnende Frage von Vogel, ob er mit unerfüllbaren Forderungen das Leben von Menschen aufs Spiel setzen wolle, sagte Khorasani, er sei nur der Bote, die Hungerstreikenden hätten selbst über ihr Schicksal entschieden. Ob die verdurstenden Flüchtlinge zu einer solchen Entscheidung noch in der Lage waren, bezweifelt Vogel im Gespräch mit dieser Zeitung: „Dahinter möchte ich ein großes Fragezeichen setzen.“

          Khorasani, der zu diesem Zeitpunkt eine Verlängerung des Hungerstreiks befürwortete, hatte nicht nur zwischen Streikenden und Politikern vermittelt. Er hatte auch als Dolmetscher unter den Asylbewerbern fungiert. Weder erlaubte Khorasani den beiden ehemaligen Politikern ein direktes Gespräch mit den Hungerstreikenden, noch schien er sich von der Dramatik der Situation beeindrucken zu lassen. Sollte es zu Toten kommen, sei das eben die Schuld der Behörden, nicht seine, sagte Khorasani zu Vogel. Als das Lager von der Polizei geräumt wurde, waren etliche der Hungerstreikenden bereits ins Koma gefallen.

          „Bobby Sands und Holger Meins auf den Straßen Münchens!“

          Schon zuvor hatten die Flüchtlinge in einer „letzten Nachricht“ ein radikales Faible für Terroristen der Irisch-Republikanischen Armee (IRA) und der Rote Armee Fraktion (RAF) durchblicken lassen. „Die deutsche Regierung muss erkennen, dass politische Spiele vorüber sind und dass es nur zwei Einbahnstraßen zu beschreiten gibt: Entweder die Erfüllung der exakten Forderung der hungerstreikenden Asylsuchenden oder Bobby Sands und Holger Meins auf den Straßen Münchens!“, hieß es dort unter Verweis auf das IRA-Mitglied Bobby Sands und den RAF-Terroristen Holger Meins, die beide nach Hungerstreiks gestorben waren.

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