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Rechte Proteste in Chemnitz : Die könnten bleiben

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Teilnehmer der „Pro-Chemnitz-Demonstration“: Weiblicher, jünger – und mit nicht so viel Szenekleidung der Rechten. Bild: AFP

In Chemnitz hat das rechtspopulistische Bündnis „Pro Chemnitz“ wieder zu einer Demonstration aufgerufen. Einige befürchten, dass die Rechten mit ihren Protesten noch lange das Stadtbild bestimmen könnten.

          Langsam scheint Chemnitz sich mit dem Ausnahmezustand zu arrangieren: Vor dem Schnellimbiss einer amerikanischen Kette stehen Polizisten in Kampfmontur und bestellen sich Burger und Cola, ihre Wasserwerfer parken zwischen Großraumtaxis und Stadtbussen. Die Bürger der Stadt nehmen das mittlerweile achtlos hin, keiner knipst mehr Bilder, wenn Polizisten auf Pferden durch den Stadtpark reiten.

          Am Freitagabend, knapp zwei Wochen nachdem der Deutsch-Kubaner Daniel H. erstochen wurde, gehen die Proteste von rechts und links weiter, nur mit Daniel H. haben sie eigentlich gar nichts mehr zu tun. Das rechte Bündnis „Pro Chemnitz“ hat zu einer Demonstration unter der berühmten Karl-Marx-Statue aufgerufen. Nur wenige Meter entfernt findet eine Gegendemonstration statt. Getrennt werden sie von hunderten Polizisten und ihren Fahrzeugen. Die Linken und Rechten brüllen sich an, noch bevor die Veranstaltung losgeht.

          Auf der Seite der linken Demonstranten steht Jennifer Obst. Sie kommt aus Chemnitz und ist heute hier, weil sie Angst hat, dass die Rechten nicht mehr weggehen. „Wenn wir uns nicht wehren, dann glauben die, dass die hier bleiben können und dann haben wir hier am Ende ein zweites Pegida“, sagt sie. „Aber vielleicht erledigt sich das mit dem Winter ja dann von alleine.“ Auf der anderen Seite der Polizeiabsperrung sind wesentlich mehr Demonstranten gekommen, etwa 2500 sind es laut offiziellen Angaben. Sie stehen unter dem „Nischel“, wie man in Chemnitz die Karl-Marx-Statue nennt und sind ausgestattet mit unzähligen Deutschlandfahnen. „Pro Chemnitz“ hatte sie vor der Demonstration an viele Teilnehmer verteilt.

          Wofür wird eigentlich demonstriert?

          Wofür oder wogegen demonstriert wird, lässt sich nicht genau sagen, denn richtige Reden werden hier eigentlich nicht gehalten. Am Samstag noch reiste der AfD-Politiker Björn Höcke nach Chemnitz. Er sprach vor der Menge, bevor die Veranstaltung anschließend aufgelöst wurde. Heute begrüßt nur ein Ordner, Arthur Österle, die Demonstranten und beklagt sich zunächst über die Presse. „Pfuiiiiiii“, ruft die Masse, als Österle über die Presse herzieht.

          Ein anderer Mann steigt auf das Podium. Selbst die anderen Ordner kennen weder seinen Namen noch wissen sie, wieso er heute spricht. Er liest einen offenen Brief an die Lokalzeitung „Freie Presse“ vor, da wird er von den Rufen der linken Demonstranten unterbrochen. „Alerta, alerta, antifascista“, rufen sie. „Jaja, ihr habt auch mal ‚Deutschland verrecke’ gerufen“, antwortet er. „Deutschland verrecke“, brüllen die Linken daraufhin. „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen“, brüllen die Rechten zurück. Und so ergibt sich ein Schlagabtausch wie bei den Fangesängen verfeindeter Ultragruppierungen in einem Fußballstadion.

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