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Demonstrationen gegen Pegida : Gegner bewerfen Islamkritiker mit Flaschen

  • Aktualisiert am

In Frankfurt demonstrierten rund 1200 Menschen gegen Pegida. Bild: dpa

Die originale Pegida-Demonstration hat es nach der Selbstdemontage der Veranstalter am Montag nicht gegeben. Dafür aber einige kleinere Ableger – und jede Menge Gegendemonstranten. In Frankfurt wurde es hitzig.

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          Auch nach der Spaltung der Dresdner Pegida-Bewegung sind Gegendemonstranten in mehreren deutschen Städten auf die Straße gegangen. Tausende Menschen versammelten sich am Montagabend in Kassel und Frankfurt aus Protest gegen religiösen Fanatismus, Rassismus und Antisemitismus. Auch in Berlin, München, Düsseldorf, Duisburg, Dresden, Darmstadt, Würzburg, Suhl und Stralsund wurde demonstriert.

          Während in Kassel die Aktion mit rund 2000 Teilnehmern vor dem Rathaus friedlich verlief, war die Stimmung in Frankfurt zwischen den rund 90 Pegida-Aktivisten und etwa 1200 Gegen-Demonstranten aufgeheizt. Es flogen vereinzelt Böller und Flaschen. Es habe einige Festnahmen, aber keine größere Zwischenfälle gegeben, sagte ein Polizeisprecher.

          Mehr als 2000 Menschen protestierten in Braunschweig  gegen die islamfeindliche Bewegung „Bragida“ („Braunschweiger gegen die Islamisierung des Abendlandes“). Ebenfalls knapp 2000 Menschen gingen in Magdeburg  gegen einen Ableger der islamkritischen „Pegida“-Bewegung auf die Straße. Nach Schätzungen der Polizei beteiligten sich an dem inzwischen dritten „Spaziergang“ von „Magida“ etwa 600 Anhänger.

          Rund 1500 Menschen demonstrierten in Duisburg und Düsseldorf gegen „Pegida“. In Düsseldorf protestierten rund 800 Menschen auf einer Demonstration des Bündnisses „Düsseldorf stellt sich quer“ gegen Fremdenhass und Islamfeindlichkeit. Zu einer Veranstaltung der islamfeindlichen Gruppe „Dügida“ kamen etwa hundert Teilnehmer.

          In Dresden, wo am Montag keine „Pegida“-Demonstration stattfand, versammelten sich nach Angaben einer Polizeisprecherin mehrere Hundert Menschen bei einer Kundgebung des Netzwerkes „Dresden für alle“. In Leipzig, wo der „Pegida“-Ableger „Legida“ zuletzt am Freitag marschiert war, hatte der ehemalige Thomaskirchenpfarrer Christian Wolff eine Lichterkette gegen die Islamkritiker initiiert. Daran beteiligten sich nach Angaben eines Polizeisprechers rund 1200 Menschen. Erstmals fand auch in Chemnitz eine Demonstration eines örtlichen Ablegers der „Pegida“-Bewegung statt.

          In Berlin brachte das islamkritische „Bärgida“-Bündnis deutlich weniger Menschen auf die Straße als in den Vorwochen. Bei der insgesamt fünften „Bärgida“-Demonstration wurden nach Polizeiangaben vor dem Berliner Hauptbahnhof etwa 85 Teilnehmer gezählt. Dagegen protestierten nach Angaben der Polizei bei zwei Demonstrationen insgesamt rund 500 Menschen.

          Steinmeier warnt vor „Demagogen“

          Auch in München und Würzburg übertraf die Zahl der Gegendemonstranten die Zahl der „Pegida“-Anhänger bei den Kundgebungen bei weitem. In Hannover versammelten sich rund 200 Menschen zu einem multireligiösen Friedensgebet in der Marktkirche.

          Das von „Pegida“ abgespaltene neue Bündnis „Direkte Demokratie für Europa“ will am kommenden Sonntag (8. Februar) eine erste Kundgebung in Dresden abhalten. Ziel der neuen Bewegung sei die „Einführung einer direkten Demokratie in Deutschland auf allen Ebenen“, sagte die ehemalige „Pegida“-Sprecherin Kathrin Oertel in Dresden. Der neue Verein soll laut Oertel „bürgernah“ und „konservativ“ sowie rechts von der CDU heimisch sein.

          Ursprünglich hatte die neue Bewegung für Montag (9. Februar) eine erste Demonstration angekündigt. Für diesen Tag hat bereits „Pegida“ eine Kundgebung in Dresden angemeldet.

          Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte unterdessen „Demagogen“, die „in Dresden und anderswo“ gegen den Islam hetzten. Zugleich wandte er sich bei einem Besuch in Nürnberg gegen Islamisten, die dazu aufriefen, Ungläubige zu bekämpfen.

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