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Demonstration in Dresden : Pegida schrumpft

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Pegida und Polizei in Dresden: Aus Protest gegen das nach seiner Spaltung nun radikalere Bündnisses hat die Frauenkirche ihr Licht ausgeschaltet. Bild: dpa

Pegida hat nach nach der Spaltung der Bewegung etwa 2000 Menschen in Dresden auf die Straße gebracht. Das waren deutlich weniger als zuletzt. Lutz Bachmann rief sie zum Durchhalten auf - und verteidigte seine Beschimpfungen von Migranten.

          Die islamkritische Pegida-Bewegung hat in Dresden auch nach der Spaltung ihrer Führungsspitze mehrere tausend Menschen mobilisiert. Zur ersten Kundgebung seit dem Ausscheiden der ehemaligen Sprecherin Kathrin Oertel und fünf weiteren Mitgliedern des Pegida-Organisationsteams kamen am Montagabend aber deutlich weniger Anhänger als zuletzt.

          Nach Angaben der Dresdner Polizei haben an der Kundgebung etwa 2000 Menschen teilgenommen. Die Pegida-Organisatoren hatten 5000 Teilnehmer angemeldet. Beobachter schätzten die Zahl der Demonstranten allerdings höher ein als die Polizei. Am Sonntag vor zwei Wochen hatten die selbsternannten „Patrioten gegen die Islamisierung des Abendlandes“ noch mehr als 17.000 Menschen in Dresden auf die Straße gebracht.

          Pegida-Gründer Lutz Bachmann, der wegen eines „Hitler-Selfies“ und ausländerfeindlicher Äußerungen als Vereinsvorsitzender zurückgetreten war, sprach am Montagabend vor seinen Anhängern. Dabei verteidigte er seine umstrittenen Bemerkungen. Die aus einem Facebook-Post bekanntgewordenen Äußerungen über Ausländer seien verkürzt wiedergegeben worden, sagte Bachmann. Außerdem habe er Worte gewählt, von denen er sicher sei, „das jeder, wirklich jeder von uns sie schon einmal am Stammtisch benutzt hat“. Bachmann hatte Asylbewerber unter anderem als „Gelumpe“ und „Dreckspack“ beschimpft.

          Bachmann wies zugleich den Eindruck zurück, dass mit der Abspaltung des halben Organisationsteam um Oertel ein Rechtsruck bei Pegida erfolgt sei. Die frühere Hamburger AfD-Politikerin Tatjana Festerling sprach von einer „Nazi-Paranoia“ in weiten Teilen von Politik und Medien. „Lügenpresse, Lügenpresse“, skandierte daraufhin die Menge. Festerling hatte im vergangenen Jahr mit Sympathiebekundungen für die Kölner „Hooligans gegen Salafisten“ für Schlagzeilen gesorgt.

          Das im Zweiten Weltkrieg zerstörte und später wiederaufgebaute Gotteshaus, das weltweit als Symbol für Frieden und Versöhnung gilt, hatte am Montagabend als Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit für die Zeit der Pegida-Demonstration die Beleuchtung ausgeschaltet. Auf dem nahe gelegenen Postplatz demonstrierte das Bündnis „Dresden für alle“ für Toleranz und Weltoffenheit.

          Zu der ersten Kundgebung der von Oertel und den anderen Pegida-Abweichlern gegründeten Initiative „Direkte Demokratie für Europa“, die einen deutlich moderateren Kurs fährt, waren am Sonntag lediglich 500 Menschen vor die Dresdner Frauenkirche gekommen.

          Cegida will in Chemnitz demonstrieren

          In Chemnitz haben am Abend mehrere hundert Menschen für eine weltoffene Stadt und gegen einen Aufzug des Pegida-Ablegers Cegida demonstriert. „Wir wollen eine Stadt, wo Menschen verschiedener Herkunft ohne Angst gut miteinander leben“, sagte Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) bei der Kundgebung am Montag.

          Zu der Veranstaltung unter dem Motto „Chemnitz ist weltoffen: Gesicht zeigen für unsere Stadt“ hatte ein Bündnis unter Federführung des DGB in Südwestsachsen aufgerufen. Nach der Premiere in der vergangenen Woche wollte Cegida am Abend zum zweiten Mal durch die Stadt ziehen.

          Unterdessen ist das der deutlich radikalere Pegida-Arm im Leipzig, das Bündnis Legida, augenscheinlich nicht gegen das von der Stadt verhängte Verbot der für den Abend geplanten Demonstration vorgegangen. Bis zum frühen Nachmittag war kein Einspruch eingegangen, teilte das Verwaltungsgericht Leipzig mit. Auf der Facebook-Seite der Lediga hieß es, man bereite sich nun mit aller Kraft auf die Demonstration am 16. Februar vor. Die Stadt hatte den Aufmarsch am Wochenende wegen eines polizeilichen Notstandes untersagt, fünf Gegenkundgebungen aber genehmigt.

          In Frankfurt fliegen wieder Eier

          In Frankfurt haben sich am Abend zehnfach so viele Gegenprotestanten versammelt wie Teilnehmer der dritten Pegida-Kundgebung. Die Polizei spricht von 110 Pegida-Anhängern und mehr als 1000 Gegnern. Vorerst bleibt es friedlich. Es seien jedoch abermals Eier geflogen.

          Schon am Nachmittag hatte die Polizei einen Sichtschutz und Gitter errichtet, um beide Gruppen voneinander getrennt zu halten. In der vergangenen Woche hatte es mehrere Festnahmen gegeben, weil es zu Angriffen auf Polizisten gekommen war.

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