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Demographischer Wandel : Köhler: Familie ist kein Auslaufmodell

  • Aktualisiert am

Köhler: Entscheidung für Kinder erleichtern Bild: dpa

Die Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik sei „an überholten Familienbildern ausgerichtet“, kritisiert der Bundespräsident. Auch dies erschwere die Entscheidung für Kinder, mahnt Köhler und fordert einen Wandel.

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          Bundespräsident Köhler hat eine modernere Familienpolitik gefordert und angesichts einer immer länger werdenden Lebenserwartung einen Wandel der „gesellschaftlichen Rahmenbedingungen“ angemahnt: „Den Status quo zu bewahren versuchen, sich daran festzuklammern - das kann keine Alternative sein. Unsere Steuer-, Sozial- und Bildungspolitik und unsere Infrastruktur hinken den Veränderungen der Familie hinterher, weil sie an überholten Familienbildern ausgerichtet sind“, sagte Köhler in Berlin auf einem Forum der Bertelsmann-Stiftung zum demographischen Wandel.

          „Familien aber brauchen zeitgemäße Strukturen, sie brauchen eine Gesellschaft, die ihnen Zeit läßt und Raum gibt.“ Was Familie leiste, könne nicht hoch genug eingeschätzt werden. „Hier wird das soziale Netz gesponnen, das unsere Gesellschaft zusammenhält. Familie ist auch heute kein Auslaufmodell.“

          „Gewandelten Rollenverständnisse“

          Die heutigen Realitäten schienen aber die Entscheidung für Kinder zu erschweren: „Da sind die gewandelten Rollenverständnisse, vor allem bei den Frauen. Die meisten von ihnen wollen heutzutage - wie immer schon die Männer - beides: kontinuierlich im Berufsleben bleiben und Familie haben.“

          Dies werde auch immer notwendiger, denn die beruflichen Perspektiven seien unsicherer geworden: „Auf ein einziges Familieneinkommen können sich viele Paare nicht mehr verlassen.“ In der global vernetzten Arbeitswelt herrsche zudem ein hohes Tempo: „Die Verpflichtung zur permanenten Verfügbarkeit, die Notwendigkeit, mobil zu sein und immer länger und flexibler zu arbeiten - all das hat dazu geführt, daß die verläßliche Zeit für Familie und Partnerschaft geschwunden ist.“ All das setze die Familie von heute unter Druck. Manchmal versage sie, das zeigten die erschreckenden Fälle von Kindesmißhandlung.

          Die Bedürfnisse von Familien müßten deshalb auf fast allen Politikfeldern berücksichtigt werden. „Und alle politischen wie gesellschaftlichen Ebenen sind gefordert.“ Bundesregierung, Länder und Kommunen, aber auch Unternehmen und die Zivilgesellschaft trügen hier Verantwortung.

          „Familienleistungen nicht verfrühstücken“

          Unterdessen setzte die Unionsbundestagsfraktion eine Projektgruppe zur Familienpolitik ein. Die Fachpolitiker von CDU und CSU wollen darin zusammen mit Haushalts- und Sozialfachleuten die 145 familienpolitischen Leistungen des Staates auf Effizienz untersuchen und Vorschläge für eine Bündelung machen. Das teilten die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Ilse Falk (CDU) sowie die Familienpolitiker Johannes Singhammer (CSU) und Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU) mit.

          Zugleich hat Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) ein „Kompetenzzentrum“ in ihrem Ressort eingerichtet, das ebenfalls alle familienpolitischen Leistungen in Höhe von rund 180 Milliarden Euro analysieren soll. Die Ergebnisse sollen noch im Dezember vorliegen. Singhammer sagte, die Unionsfraktion wolle diese Analyse „politisch begleiten“. Man wolle verhindern, daß der Geburtenrückgang und damit eingesparte Familienleistungen von der Finanzpolitik als Konsolidierungsbeitrag „verfrühstückt“ würden. Das Geld solle weiter an die Familien fließen.

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