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Demographiegipfel : Merkel wirbt um Arbeitskräfte aus Euro-Krisenländern

„Wir gelten als abgeschlossen“: Kanzlerin Merkel auf dem Demographiegipfel Bild: dpa

Bundeskanzlerin Merkel hat Unternehmen aufgefordert, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern. Zugleich warb die Kanzlerin für einen EU-Binnenmarkt für Arbeitskräfte: „Wir müssen offen sein für junge Leute, die zu uns kommen.“

          Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat den zweiten Demographie-Gipfel der Bundesregierung dazu genutzt, von den Arbeitgebern mehr Familienfreundlichkeit zu fordern. Damit es in Zukunft genügend Arbeitskräfte gebe, müsse die Politik die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern, sagte sie am Dienstag in Berlin. Dazu gehöre auch ein gesetzlicher Anspruch auf Rückkehr in eine Vollzeit-Berufstätigkeit. Gleichzeitig warb Frau Merkel dafür, die Mobilität der Arbeitskräfte innerhalb der EU zu fördern. „Wir müssen offen sein für junge Leute, die zu uns kommen, wenn wir heute schon wissen, dass wir 2025 sechs Millionen Arbeitskräfte weniger haben werden“, sagte sie.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Deutschland biete gute Bedingungen für Zuwanderer, habe aber einen schlechten Ruf. „Wir gelten als abgeschlossen“, sagte Merkel. Es sei „sehr kompliziert, zu uns zu kommen“, höre sie immer wieder. Daran gelte es zu arbeiten. Nötig sei mehr Mobilität innerhalb von Europa. Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte, Deutschland setze - über die inländischen Arbeitskräfte hinaus - vor allem auf qualifizierte Zuwanderer aus den Krisenländern im Süden Europas.

          In der alternden Gesellschaft werde Zeitmanagement immer wichtiger, sagte die Kanzlerin weiter. Es sei gut, dass junge Eltern einen Anspruch auf Teilzeitarbeit hätten. „Wir brauchen aber - um Frauen nicht auf Dauer in Teilzeit zu belassen - auch die Möglichkeit, dass Frauen zurückkehren und später einen Anspruch auf Vollzeit haben. Hier werden wir mit Sicherheit einiges gesetzlich regeln müssen“, sagte Frau Merkel. Derzeit endet nach dem Ende der Elternzeit der Anspruch auf Rückkehr in eine Vollzeittätigkeit. Frau Merkel sagte, zwar sei die Erwerbsquote der Frauen seit dem Beginn ihrer Kanzlerschaft von 61 auf rund 70 Prozent gewachsen. „Wir müssen aber auch auf die Wochenstunden achten.“ Die Wirtschaft habe sie indes noch nicht überzeugt von einem gesetzlichen Anspruch. Die Kanzlerin verwies darauf, dass sich die „Vätermonate“ in der Elternzeit bewährt hätten. Arbeitgeber seien nun „nicht mehr auf der sicheren Seite, wenn sie einen Mann einstellen“.

          Ähnlich wie die Vätermonate werde sich auch der Anspruch auf Pflegezeit bewähren. Arbeitgeber dürften „nicht die Augenbrauen hochziehen“, wenn ein Arbeitnehmer um Zeit für die Pflege seiner Eltern bitte.

          Nach Berechnungen von Statistikern verliert Deutschland bis zum Jahr 2060 ein Fünftel der Bevölkerung von derzeit rund 82 Millionen. Jeder Dritte wird dann 65 Jahre oder älter sein. Nach Angaben der Bundesregierung wird es schon 2025 rund sechs Millionen Menschen weniger im erwerbsfähigen Alter geben. Merkel rief dazu auf, diesen Wandel „als Chance“ zu begreifen. Der erste Demographie-Gipfel hatte im vergangenen Oktober stattgefunden. Ziel ist ein „Dialogprozess“ zur Gestaltung des demographischen Wandels mit Ländern und Kommunen, Sozialpartnern, Verbänden, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Dazu waren neun Arbeitsgruppen unter Leitung der Ressortminister geschaffen worden. Die gesamte Federführung liegt in den Händen von Innenminister Friedrich.

          Die Opposition kritisierte die Konferenz als „Showveranstaltung“. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt hatte seine Teilnahme am Demographie-Gipfel abgesagt. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) verlangte, die Arbeitszeit müsse sich den Bedürfnissen der Familien anpassen und nicht umgekehrt. Merkel wiederholte, die Bundesregierung werde familienpolitische Leistungen auf ihre Effizienz überprüfen. Ohne auf die vorliegenden Studien im Auftrag der Bundesregierung einzugehen, sagte sie: „Etwas von den Leistungen wegzulassen ist immer schwer. Wir haben uns daran gewöhnt, dass immer alles additiv ist. Wir müssen schauen, wie wir da vorankommen.“ Merkel warb ferner für die Idee von Mehrgenerationenhäusern. Sie könne sich vorstellen, Fördermittel für altersgerechtes Wohnen mit Mitteln für die energetische Gebäudesanierung zu kombinieren.

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