https://www.faz.net/-gpf-7ngo1

Demographie : Töchter pflegen öfter als Söhne

  • -Aktualisiert am

Intensive Nähe: Pflege der eigenen Eltern heißt auch Zeit für Zuspruch Bild: dpa

Ältere Menschen sind im Durchschnitt 77 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal auf Pflege durch ihre Kinder angewiesen sind. Um sich um die greisen Eltern zu kümmern, unterbrechen oder reduzieren viele ihre Erwerbstätigkeit.

          Geschwister pflegen ihre Eltern, wenn diese alt und hilfsbedürftig werden, nicht in gleichem Umfang.  Drei von vier zu pflegenden Eltern werden – selbst in Mehrkindfamilien - von nur einem Kind gepflegt. Töchter pflegen ihre Mütter dreimal so häufig, wie ihre Brüder dies tun. Wenn es um die Pflege der Väter geht, unterscheidet sich das Engagement von Söhnen und Töchtern hingegen nicht. In Familien ohne Töchter teilen sich mehrere Brüder die Pflege in der Regel untereinander auf.

          Zu diesem Ergebnis kommt Marcel Raab, Soziologe am Wissenschaftszentrum Berlin, in einer Studie, für die er gemeinsam mit der Leiterin des Staatsinstituts für Familienforschung in Bamberg, Henriette Engelhardt, und dem Soziologen Thomas Leopold von der Universität Amsterdam Daten der amerikanischen „Health and Retirement Study“ für die Jahre 1998 bis 2008 ausgewertet hat. Die Ergebnisse basieren auf Daten zu 2452 Eltern-Kind-Paaren aus 641 Familien im Übergang zur Pflegephase. Für Deutschland fehlen bisher entsprechende Daten, um die Übernahme der Pflege innerhalb einer Familie im zeitlichen Verlauf zu untersuchen.

          Wer pflegt wen ab wann?

          Eltern sind der Studie nach im Durchschnitt 77 Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal auf Pflege durch ihre Kinder angewiesen sind. Die erwachsenen Kinder sind zu diesem Zeitpunkt durchschnittlich 49 Jahre alt. Eine entscheidende Rolle dafür, wer die Pflege der Eltern übernimmt, spielt die räumliche Entfernung.

          Geschwister, die in der Nähe der Eltern wohnen, haben nach den Berechnungen der Forscher ein doppelt so hohes „Risiko“, ihre Eltern zu pflegen wie Geschwister, die weiter von diesen entfernt leben. Kinder, die mit ihren Eltern in einem gemeinsamen Haushalt wohnen, pflegen viermal so häufig wie weiter entfernt lebende Geschwister. Kinder, die berufstätig sind oder eigenen Nachwuchs haben, engagieren sich seltener in der Pflege. Für Erstgeborene ist statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, die Pflege ihrer Eltern zu übernehmen, fast doppelt so hoch wie für ihre jüngeren Geschwister.

          Zudem beeinflussen die Erwartungen der Eltern das Verhalten der Geschwister. Kinder, die von ihren Eltern vor dem Pflegeeintritt als potentielle Pflegepersonen genannt wurden, pflegen ihre Eltern statistisch gesehen dreimal so häufig wie ihre nicht genannten Geschwister. Einen Unterschied macht auch, ob Geschwister finanzielle Unterstützung von ihren Eltern bekommen haben oder noch erwarten. Kinder, die im Gegensatz zu ihren Geschwistern im Testament berücksichtigt sind, haben eine fünfmal so hohe Wahrscheinlichkeit, ihre Eltern zu pflegen, wie die nicht Berücksichtigten.

          Die Kinder, die zeitintensive Pflege übernehmen, reduzieren häufig ihre Arbeitszeit oder unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit sogar vollständig. Zudem verringert sich während der Phase der Pflege die Wohnentfernung zwischen Eltern und Kindern, da oftmals Eltern zu den Kindern ziehen.

          Weitere Themen

          Sri Lanka im Schockzustand Video-Seite öffnen

          Reaktionen auf das Attentat : Sri Lanka im Schockzustand

          Mehr als 200 Menschen sind bei dem Terroranschlag in Sri Lanka gestorben. Hunderte wurden verletzt. Die Attentate, zu denen sich zunächst niemand bekannte, sind die schwersten seit Ende des Bürgerkrieges vor zehn Jahren.

          Topmeldungen

          Ein Serienstar wird Präsident : Wenn Fiktion Wirklichkeit wird

          Der Komiker Wolodymyr Selenskyj hat den Aufstieg seines Serien-Alter-Egos im echten Leben wahrgemacht. Er wird laut Prognosen Präsident der Ukraine. Seinen ersten Auftritt nach der Wahl nutzt der umstrittene Polit-Newcomer, um eine Botschaft zu senden – und ein Versprechen abzugeben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.