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Schutz für Geimpfte : Delta-Variante ist kein „Impfkiller“

Richtig was los: Der Hamburger Dom hat wieder eröffnet. Bild: Getty

Stecken sich Geimpfte wegen der Delta-Variante häufiger an und infizieren andere? Die Studien deuten nicht darauf hin. Infizierte Geimpfte könnten von Antikörpern profitieren.

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          Seit sich die SARS-CoV-2-Variante Delta fast weltweit erfolgreich ausbreitet hat und auch bei Geimpften festgestellt wurde, machen die angstbesetzten Begriffe immer schneller die Runde. Von Impfdurchbrüchen und Impfversagen ist die Rede. Vor allem einige Zahlen aus einem vor Tagen veröffentlichten Onlinebericht des amerikanischen Seuchenzentrums CDC erzeugten eine fatale Wirkung: Sollten sich vollständig Geimpfte mit dem hochgradig ansteckenden Delta-Virus nun ähnlich leicht anstecken können wie Ungeimpfte – und noch gravierender: Sollten sie womöglich das Virus auch ebenso leicht auf vulnerable Gruppen übertragen können? Wäre es so, könnte das Vertrauen in die Wirkung der Covid-19-Impfstoffe massiv untergraben werden. Tatsächlich aber waren die ersten, häufig zitierten Schlussfolgerungen aus der CDC-Studie offensichtlich überinterpretiert worden, die entsprechenden Gegenreaktionen von Fachleuten blieben nicht aus, und auch die Resultate anderer aktueller Studien zeigen: Die Delta-Variante zu einem Impfkiller zu stilisieren, nur weil sie sich in den Schleimhäuten schneller vermehrt als alle bisher bekannten Varianten, ist völlig überzogen.

          Joachim Müller-Jung
          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          „Klar ist, wir müssen uns endgültig von der Vorstellung verabschieden, dass vollständig Geimpfte nicht positiv sein können oder dass sie die Viren nicht übertragen können“, räumte gestern der Berliner Charité-Immunologe Leif Erik Sander in einem Pressegespräch ein. „Aber erstens treten Infektionen bei den Geimpften sehr viel weniger oft auf, und sie erkranken auch deutlich seltener, schon gar nicht schwer.“ Die zugelassenen Impfstoffe wirkten auch mit dem erhöhten Delta-Risiko immer noch hervorragend, sie seien auch weiterhin eine „relevante Bremse“ für die Ausbreitung des Erregers.

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