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Deckname „Corelli“ : Weiterer V-Mann im NSU-Umfeld?

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Hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz eine Quelle aus dem Umfeld des NSU?

Hatte das Bundesamt für Verfassungsschutz eine Quelle aus dem Umfeld des NSU? Bild: dpa

Ein Neonazi aus dem Umfeld des NSU soll jahrelang V-Mann des Bundesamtes für Verfassungsschutz gewesen sein. Schon in den neunziger Jahren soll er Kontakte zu dem Terroristen Uwe Mundlos gehabt haben.

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           Das Bundesamt für Verfassungsschutz soll jahrelang einen V-Mann aus dem Umfeld des rechtsterroristischen NSU-Trios geführt haben. Der Neonazi Thomas R. aus Sachsen-Anhalt wurde nach Berichten mehrerer Medien von 1997 bis 2007 unter dem Decknamen „Corelli“ als Quelle geführt. Die Verbindungen des heute 37 Jahre alten Mannes zum Terroristen Uwe Mundlos reichten demnach bis in die neunziger Jahre zurück. Die Kontaktdaten des V-Manns sollen sich auf einer Adressliste befinden, welche die Ermittler 1998 nach dem Abtauchen der drei Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ sicherstellten.

          Majid Sattar
          Politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Thomas R., der auch dem deutschen Ableger des Ku-Klux-Klans angehört haben soll, hat dem Verfassungsschutz angeblich Informationen aus dem Geheimbund geliefert, in dem auch zwei Kollegen der im Jahr 2007 mutmaßlich vom NSU ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter zeitweise Mitglied waren.

          Thomas R. ist nach Thomas S. der zweite Neonazi, der mit dem NSU in Verbindung stand und zugleich V-Mann von Sicherheitsbehörden war. In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der sächsische Rechtsradikale Thomas S. V-Mann des Berliner Landeskriminalamtes war. Dieser hatte bereits 2002 Hinweise auf den Verbleib der NSU-Mitglieder gegeben. Der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) steht derzeit in der Kritik, weil er die Information, die er im März dieses Jahres erhielt, nicht an den Untersuchungsausschuss des Bundestages weitergeleitet hatte.

          Körting wird angehört

          Während Henkel und die Berliner Polizei darauf beharren, sie hätten auf Bitten der Bundesanwaltschaft den Ausschuss nicht unterrichtet, um die Ermittlungen unter anderem gegen Thomas S. nicht zu gefährden, weist der Generalbundesanwalt von sich, jemals – mündlich oder schriftlich – die Berliner Behörden gebeten zu haben, die Information zurückzuhalten. Die SPD-Obfrau in dem Ausschuss, Eva Högl, die eine schriftliche Stellungnahme aus Karlsruhe erhalten hatte, teilte mit, für sie stehe fest, „dass Herr Henkel und seine Polizeiführung erneut falsche Auskünfte gegeben haben“.

          Der frühere Innensenator Ehrhart Körting (SPD), in dessen Amtszeit die V-Mann-Tätigkeit von Thomas S. fällt, wird in den kommenden Wochen sowohl vom Untersuchungsausschuss des Bundestages als auch vom Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses angehört. Von ihm erhofft man sich Auskunft über die Frage, warum das Land Berlin einen sächsischen Neonazi als V-Mann führte und warum Hinweise im Zusammenhang mit dem untergetauchten Trio nicht weitergeleitet wurden.

          Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) trat einem Bericht entgegen, das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) werde nach der angekündigten Strukturreform als Konsequenz aus dem Versagen der Sicherheitsbehörden beim NSU-Komplex künftig darauf verzichten, Bundesabgeordnete der Linkspartei zu observieren. „Da, wo die Länder nicht beobachten, muss das BfV übernehmen, damit ein Gesamtbild erhalten bleibt“, sagte ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

          Es sei „völlig klar“, dass insbesondere die Parteigruppierungen Marxistisches Forum und Kommunistische Plattform vom Bundesamt überwacht werden müssten. Die „Süddeutsche Zeitung“ hatte zuvor berichtet, in der Union formiere sich Widerstand gegen Friedrichs Pläne. Friedrich hatte am Mittwoch in Berlin gesagt, für das BfV sei „eine klare Priorisierung auf besonders gefährliche Strukturen“ erforderlich.

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