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Debatte um die „Tafel“ : Hat der Sozialstaat versagt?

Helfer verteilen Lebensmittel in der Frankfurter Tafel. Bild: Wolfgang Eilmes

Nach dem Fall in Essen blickt die Republik auf die Arbeit der Tafeln, sie haben so viel Zulauf wie lange nicht. Kommt ihr Erfolg daher, dass der Staat sich nicht mehr ausreichend um die Bedürftigen in Deutschland kümmern kann?

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          Da wären die Handschuhe, diese hier, sehen Sie, sehr praktisch, gerade jetzt, wo es so bitterkalt ist draußen, sagt er. Der 62 Jahre alte Mann, gebürtiger Rumäne, freundliche Augen, sehr gutes Deutsch, streift sie ab und legt sie auf den Tisch. Für die Handschuhe hätte das Geld neulich nicht gereicht. Er müsste im Supermarkt durch die Gänge laufen, um Lebensmittel für sich und seine Frau zu kaufen, würde er nicht alle zwei Wochen hier sitzen können, im Wartezimmer der Caritas in Frankfurt-Höchst, Souterrain, karg bestuhlt, Ausgabestelle für Lebensmittel der Frankfurter Tafel. Seit bald vier Jahren bezieht der Mann, dessen Name keine Rolle spielt, Hartz IV. Die Wohnung zahlt der Staat, zum Leben überweist ihm das Jobcenter 374 Euro im Monat, ebenso wie seiner Frau. Jeden zweiten Freitag kommt er her, zeigt die Berechtigungskarte, zieht eine rote Nummer und wartet. Rot steht für Bedürftige mit Familie, sie kommen gleich nach den Behinderten dran, das sind die mit den gelben Zetteln, und noch vor den Alleinstehenden, blaue Zettel.

          Kim Björn Becker

          Redakteur in der Politik.

          Die Lebensmittel wurden am frühen Morgen eingesammelt, der Transporter steht noch vor der Tür, die Heckklappe geöffnet, gut ein Dutzend Supermärkte und Bäckereien haben die drei Mitarbeiter angesteuert, neun von ihnen hatten eine Spende. Brot vom Vortag, Joghurts, die bald ablaufen, überreife Bananen. Keine erste Ware, aber problemlos genießbar. Das war sie ja, die ursprüngliche Idee der Tafeln, es wird so viel weggeworfen, sammeln wir es ein und geben es denen, die sowieso schon wenig haben.

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