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Debatte über Wehrpflicht : Es ist Euer Land!

Rekruten Anfang September 2016 auf der Niederburg in Kranichfeld (Thüringen) Bild: dpa

Nicht jeder muss ein Bürger in Uniform sein wollen. Aber mehr als derzeit sollte schon möglich sein. Denn unserer Gesellschaft wird in diesen Zeiten mehr abverlangt, als es vielen lieb ist.

          Es liegt wohl nicht nur an der sedierenden Kombination von hochsommerlicher Ferienzeit und mehr als hochsommerlichen Temperaturen, dass die ersten Reaktionen auf die Überlegungen in der CDU mehr als moderat ausgefallen sind, eine Art allgemeine Dienstpflicht für junge Erwachsene einzuführen. Vielmehr bestätigen die meisten Einlassungen von Politikern anderer Parteien das Gespür der CDU-Generalsekretärin, ein gesellschaftliches Großthema identifiziert zu haben. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um die Stärke unserer Demokratie.

          Dabei ist es unstrittig, dass der Bürger in einer liberalen Demokratie dem Staat zuvörderst als Rechtsperson gegenübertritt und jeder Eingriff in seine Freiheitsrechte vor der Verfassung Bestand haben muss. Aber es ist kein Ausweis von Illiberalismus, wenn eine Partei wie die CDU den neoliberalistischen Auswüchsen der vergangenen Jahrzehnte, in der der Staat zum Dienstleister des homo oeconomicus degradiert wurde, endlich eine kommunitaristisch inspirierte Vision der Gesellschaft entgegensetzt. Mit Bürgern, die sich nur als user verstehen und keine Anreize spüren, ihre herkunftsgeprägten Echokammern zu verlassen, ist nicht nur kein Staat zu machen, sondern auch keine Gesellschaft.

          Denn dieser wird in Zeiten wie den unseren mehr abverlangt, als es vielen lieb ist. Gerade weil die Reaktion auf Terrorismus nicht Militarismus lauten und der Migrationsdruck nicht mittels der Chimäre ethnischer Homogenität eingedämmt werden kann, müssen freiheitliche Gesellschaften alles daransetzen, die Kräfte zu mobilisieren, die das Gemeinwesen einerseits wehrhaft machen, und zugleich die Institutionen zu stärken, in denen sich Integration vollzieht.

          Deswegen ist es hinsichtlich der Wehrpflicht mit einer Rückkehr zum Status quo ante ebenso wenig getan wie mit der Banalisierung der Bundeswehr als einem Arbeitgeber unter vielen. Nicht jeder muss ein Bürger in Uniform sein wollen. Aber mehr als derzeit sollte schon möglich sein. In die richtige Richtung weisen die vielen Freiwilligendienste, die in den vergangenen Jahren entstanden sind.

          Dass die Nachfrage mitunter größer ist als das Angebot, spricht nur dafür, dass John F. Kennedys Formel „Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann – fragt, was ihr für euer Land tun könnt“, heute noch so aktuell ist wie vor sechzig Jahren.

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

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