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Nach Anschlag in Halle : Wie sicher sind Synagogen in Deutschland?

Die Synagoge in Halle stand nach den Worten von Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) unter der „Schutzmaßnahme 6“, also einer unregelmäßigen Bestreifung. Zentralratspräsident Schuster hob auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag mit Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) und Innenminister Stahlknecht die Zusage der Landesregierung hervor, jüdische Einrichtungen im Land konsequent zu schützen. Seehofer sagte, er werde das Thema bei der Innenministerkonferenz in der nächsten Woche auf die Tagesordnung setzen.

„Die jüdischen Bürger haben Angst“

Gady Gronich nimmt als Generalsekretär der Europäischen Rabbiner-Konferenz seit einigen Jahren an der Münchner Sicherheitskonferenz teil, um für die Situation der Juden sensibilisieren. Zwar gebe es bereits eine gute Zusammenarbeit und Unterstützung durch staatliche Stellen, doch habe sich die Lage der Juden in den vergangenen Jahren stark verändert. „Die jüdischen Bürger, ob in München oder Halle, haben Angst“, sagte Gronich der F.A.Z. „Die Bundesregierung und die Länder müssen noch einmal die Sicherheitslage der jüdischen Gemeinden prüfen und gemeinsam mit ihnen ein neues Sicherheitskonzept erarbeiten.“

Gronich wies darauf hin, dass die Sicherheitsvorkehrungen oft stark von der Größe der Gemeinden abhingen. So verfügten etwa München, Frankfurt, Berlin oder Düsseldorf über eigenes Sicherheitspersonal. Die von der Gemeinde angestellten und bezahlten Wachleute seien oft ehemalige israelische Soldaten. Wer in großen Gemeinden das Gemeindehaus oder die Synagoge besuchen wolle, muss sich nach den Worten Gronichs bei Sicherheitsleuten anmelden. Danach gelangen Besucher in eine Schleuse. Hier zeigen sie ihren Ausweis vor und passieren eine Sicherheitskontrolle. Erst danach öffnet sich die nächste Tür. Sicherheitskameras überwachen alles. Manche Gemeinden müssten mehr als die Hälfte ihrer Ausgaben für ihre Sicherheit aufwenden, sagte Gronich. Kleine Gemeinden sind oft nur mit Sicherheitskameras ausgestattet.

„Dieses Versagen ist frappierend“

Erst am vergangenen Freitag war ein Mann auf das Gelände der Neuen Synagoge an der Oranienburger Straße in Berlin eingedrungen, wie aus einer Mitteilung des Zentralrats der Juden in Deutschland hervorgeht. Ein 23 Jahre alter Mann habe die Absperrung vor der Synagoge überstiegen und sei mit einem Messer auf die Sicherheitsleute zugelaufen. Der Täter sei überwältigt und festgenommen worden. Doch schon am Samstagmorgen sei der Mann auf Veranlassung der Berliner Staatsanwaltschaft wieder freigelassen worden. Der Zentralratspräsident bezeichnete die frühe Freilassung als „unfassbar“. „Dieses Versagen der Staatsanwaltschaft ist frappierend“, sagte Schuster.

Der Erfurter Rabbiner Nachma sieht das Problem grundsätzlicher: „Im Alltag spüre ich den Antisemitismus kaum, aber solche Vorfälle kommen ja nicht aus dem Nichts.“

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