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Debatte über Muslime : Kardinal Lehmann kritisiert Wulffs Islam-Satz

  • Aktualisiert am

Der Bischof von Mainz Karl Kardinal Lehmann Bild: Wolfgang Eilmes

Die von Angela Merkel bekräftigte Aussage des ehemaligen Bundespräsidenten Wulff über den Islam und Deutschland sorgt weiter für Kontroversen. Auch Kardinal Karl Lehmann ist nicht glücklich über den Satz.

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          Kardinal Karl Lehmann hat sich für eine kritische Betrachtung der vom früheren Bundespräsidenten Christian Wulff geprägten und jüngst von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) aufgegriffenen Formulierung „Der Islam gehört zu Deutschland“ ausgesprochen. In einem am Dienstag vorab veröffentlichten Beitrag für die Zeitung seines Bistums Mainz, „Glaube und Leben“, spricht der Bischof von einem „Schlagwort“, das „viel zu unbestimmt“ sei.

          Mit gutem Willen könne man entdecken, was mit diesem „verkürzten Wort“ gemeint gewesen sei, so der zum liberalen Flügel der Katholischen Kirche zählende Lehmann. Dass nämlich der Islam zu den größeren Religionen in Deutschland gehöre, „wir allen seinen Mitgliedern Respekt entgegenbringen und wir auch im Rahmen der Religionsfreiheit Achtung für seine Anhänger haben“.

          Zugleich weist der Kardinal darauf hin, dass Europa bis in viele geistige und gesellschaftliche Eigenheiten hinein tief und nachhaltig geprägt sei vom „Judentum-Christentum“. Insofern sei eine simple Gleichung der Zugehörigkeit des Islam historisch und im Blick auf die aktuelle geistig-gesellschaftliche Situation unzureichend „und sogar falsch“.

          Dies behindere allerdings nicht „ein Heimatrecht von Muslimen in Deutschland und eine schon von der Religionsfreiheit her gebotene Existenz und Tätigkeit des Islam bei uns“.

          Ausdrücklich warnt Lehmann, der Slogan „Der Islam gehört zu Deutschland“ dürfe auf keinen Fall zu einem Feindbild verführen. Stattdessen müsse dieses Stichwort dazu anspornen, einander besser kennenzulernen. „Darin fehlt es“, so der Kardinal, „aber nicht nur bei den Muslimen, sondern auch bei uns Deutschen und Europäern.“ Aufklärung tue not, auch wenn sie alleine noch nicht heile.

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