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Die Kanzlerin ist angezählt : Einer muss es ja sagen

  • -Aktualisiert am

Bouffier will Auswirkungen auf Hessen-Wahl begrenzen

Auf dem Endspurt in Richtung der bayerischen Wahlkabinen spricht Schäuble also offen die Frage an, die in den unionsinternen Debatten seit einiger Zeit das Topthema ist: Wie tief wird das schlechte Wahlergebnis der Schwesterpartei im Süden das gesamte Unions-Gefüge erschüttern?

Der CDU-Politiker Volker Bouffier, der als hessischer Ministerpräsident ein unaufgeregtes Bündnis mit den Grünen führt und fest an der Seite Merkels steht, wendet sich am Wahlwochenende gegen eine Diskussion über die Zukunft der Parteivorsitzenden und damit auch der Kanzlerin. Möglicherweise fürchtet er, dass diejenigen, die das große Ziel im Auge haben, Merkel müsse „weg“, erst die bayerische, dann aber mindestens ebenso sehr die hessische Landtagswahl als Hebel benutzen könnten.

Pünktlich zum Wahltag teilt der nicht zu politischen Schlägereien neigende Bouffier in der Zeitung „Welt am Sonntag“ gegen die CSU aus, die der Union durch ihr Verhalten geschadet habe. Dahinter dürfte der Versuch stecken, die Schuld für die Schwächung der CSU schon deshalb den Bayern zuzuschieben, um in zwei Wochen in Hessen nicht zu sehr in Mithaftung genommen zu werden.

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Merkel würde vermutlich lieber mit Söder weiterarbeiten

Schon vor dem Wahltag war in der Union die halblaute Debatte darüber, wer Schuld haben wird am zu erwartenden Stimmenverlust der kleinen Unionsschwester in Bayern, zu einem öffentlichen Schlagabtausch geworden. Zwischen Ministerpräsident Markus Söder und dem Parteivorsitzenden Seehofer vor allem. Der Ministerpräsident verweist auf Berlin und dürfte damit den Parteivorsitzenden und Bundesinnenminister meinen. Dieser richtet den Finger nach Süden und scheint die Schuld bei Söder zu sehen. Am Wahlabend spricht er von einer „gemeinsamen Verantwortung“.

Neben der Frage nach dem Gewicht der Union insgesamt, nach dem Verhältnis von CDU und CSU, stellt sich für die CDU, für Merkel und ihre Leute eine Frage sehr konkret: Wird Seehofer CSU-Vorsitzender bleiben? Söder ist nicht beliebt im Kanzleramt. Aber das Verhältnis zwischen ihm und Merkel ist nicht annähernd so belastet wie das zwischen ihr und Seehofer. Die beiden Alphatiere der Union, die schon gemeinsam an Helmut Kohls Kabinettstisch saßen, haben sich über die Flüchtlingspolitik derart ineinander verbissen, dass der Eindruck entstehen kann, keiner wolle vor dem anderen in den politischen Ruhestand gehen.

Am Wahlabend nur leise Töne

In der CDU-Parteizentrale ist am Sonntagabend nicht die Generalsekretärin als Erste im Foyer der Parteizentrale erschienen, sondern der Parlamentarische Geschäftsführer der Unionsfraktion im Bundestag, Michael Grosse-Brömer. Er ist zu einem Fernsehinterview verabredet. Grosse-Brömer ist ein Mann der leisen Töne. Er bestreitet nicht, dass parteiinterner Streit sich negativ auf das Vertrauen der Wähler in die Parteien auswirkt. Näher will er auf diese Zusammenhänge aber nicht eingehen.

Er lobt lieber Volker Bouffier. Sein Interview wird in der Nähe der Lautsprecher geführt, über die gerade eine Stellungnahme des AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland übertragen wird. Damit das Interview von Grosse-Brömer nicht gestört wird, wird Gauland der Ton weggedreht. Mancher in der CDU mag sich wünschen, dass man sich der AfD auch sonst mit so einfachen technischen Mitteln entledigen könnte.

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