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Debatte über Kika-Doku : Liebe ohne Schweinefleisch

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Der Sender entschuldigte sich am Montag für die Alterskorrektur. Und beim Namen handle es sich um ein Missverständnis. Diaa sei der zweite Vorname, der Rufname, Mohammed der erste. Das versichert die verantwortliche Redakteurin der Sendung, Tanja Nadig. „Ich habe mir ein Bild von seinem Pass schicken lassen. Da stehen beide Namen drin. Und sein Geburtsdatum ist 1998“, sagt die Redakteurin vom Hessischen Rundfunk, der diese Folge der Serie „Schau in meine Welt“ produziert hat.

Auch Hass ist Teil des Zusammenlebens

Abgesehen davon würde Nadig alles noch mal genauso machen. Was an dem Thema überhaupt sensibel sei, könne sie nicht nachvollziehen. Doch selbst ohne die vermeidbaren Fehler hätte der Film wohl nicht grundlegend besser dagestanden. Denn er dürfe nicht als Einzelstück gesehen werden, wie Nadig erklärt, und war eigentlich auch nie so gedacht. „Die Liebesgeschichte war nur eine von vielen Sendungen zum Zusammenleben“, sagt sie. Sie gehörte zu Kikas Themenschwerpunkt 2017 unter dem Motto „Respekt für meine Rechte! – Gemeinsam leben.“ „Die Liebesgeschichte war eine Facette“, sagt Nadig.

Im Rahmen des Schwerpunkts wurden jedoch in allererster Linie Rechte von Migranten und Gefahren für sie in den Blick genommen. Die Gefahren des Zusammenlebens und die Risiken für die einheimische Bevölkerung kamen im Kinderkanal nicht vor. Dieser Kritik hat Kika nichts zu entgegnen. Es gab keine Sendung über die Schwester von Diaa, die im Film schweigend und mit strengem Kopftuch zu sehen war. Hat auch sie Wünsche nach Selbstbestimmung? Die Kindernachrichtensendung Logo erwähnte den Mord von Kandel nicht. Über Einzelfälle werde nicht berichtet, heißt es dort. Dass auch Hass Teil des Zusammenlebens ist, wurde bei Kika nicht thematisiert.

Leicht könnten die Verantwortlichen solche Kritik in Zukunft entkräften. Dafür braucht es eben Sendungen mit neuen Protagonisten, die andere Lebensentwürfe zeigen, emanzipierte junge Musliminnen, mit deutschem Freund beispielsweise, wären hilfreich. Die Macher sagen zwar, sie seien gar nicht auf der Suche nach der Konstellation gewesen, bei der ein Partner Flüchtling sei, der andere aus Deutschland stamme. Es habe sich so ergeben. Den umgekehrten Fall, ein Deutscher mit einem weiblichen Flüchtling, das finde sich aber kaum. Und wenn doch, ließen die Paare sich nicht filmen.

Ob sich der Film dann nicht vielleicht eher für ein anderes Programm geeignet hätte? Die Verantwortlichen sehen es nicht so. Das könnte daran liegen, dass niemand eine gelungene Sendung aus der Hand geben will. Viele Kollegen aus anderen ARD–Sendern sollen die Hessen zu dem Werk beglückwünscht haben.

Am Samstagnachmittag ging der Hessische Rundfunk in die Offensive. „Malvina, Diaa und die Liebe“ wurde dort nochmals ausgestrahlt. Im Anschluss folgte eine Diskussion. Eingeladen war auch Dirk Spaniel von der AfD. Neunzig Minuten räumte der Sender alledem ein. In Zukunft sei man entschlossen, die Augen vor einer negativen Wendung nicht zu verschließen. Giacopuzzi hat Malvina und Diaa gefragt, ob er sie auch begleiten dürfe, falls sie sich trennen. Die beiden haben vorläufig zugesagt.

Die Debatte um das Alter der Protagonisten

Nach Informationen des Hessischen Rundfunks vom 15.01.2018 waren Malvina und Diaa zu Drehbeginn 16 beziehungsweise 19 Jahre alt und kannten sich zu diesem Zeitpunkt seit 17 Monaten.

Weitere Informationen zum Alter der Protagonisten und zu anderen Fragen, die im Zusammenhang mit der Dokumentation aufgeworfen wurden, finden Sie auf der Erklärseite des Kinderkanals und der Infoseite des Hessischen Rundfunks.

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