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Debatte über Inzestverbot : Familie in Gefahr

Nicht erst durch das Votum des Ethikrats über das Inzestverbot steht die Keimzelle der Gesellschaft auf dem Spiel. Ehe und Familie stehen aber aus wichtigem Grund unter dem besonderen Schutz des Staates.

          Inzest – das ist ein Tabu aus uralten Zeiten. Deshalb irritiert die Forderung des Deutschen Ethikrats, das strafrechtliche Verbot des Beischlafs zwischen Geschwistern aufzuheben. Doch ist es wichtig darüber zu reden, ob überkommene Bastionen der Gesellschaft noch gehalten oder ob sie geschleift werden sollen. Hier geht es um Begriffe, die man kaum noch auszusprechen wagt: Familie, Eugenik, Volksgesundheit.

          Mögliche Erbschäden bei Kindern aus inzestuösen Verbindungen sind nur ein Argument – und dieses sollte nicht überstrapaziert werden. Keineswegs folgt aus der Strafbarkeit des Inzests, dass auch andere, in diesem Sinne gefahrgeneigte Verbindungen unter Strafe zu stellen wären.

          Nein, hier steht die Keimzelle der Gesellschaft auf dem Spiel: die Familie. Und damit auch das große Ganze. Die Familie gibt einen Rahmen. Das ist eine Ordnung mit bestimmten Plätzen: Vater, Mutter, Kinder. Diese Ordnung ist in Gefahr, und das nicht erst durch das Votum des Ethikrats über das Inzestverbot. Aber dieses Votum passt in den allgemeinen Trend, Ehe und Familie für beliebig zu erklären, ja sie ganz in Frage zu stellen. Dabei stehen sie aus wichtigem Grund unter dem besonderen Schutz des Staates. Das alte, gewiss auch stark moralisch aufgeladene Inzestverbot hat der Gesetzgeber selbst in den liberalen siebziger Jahren bewusst beibehalten. Denn die sexuelle Selbstbestimmung muss hinter dem Schutz der Kinder zurücktreten. Sie brauchen einen Schonraum, um möglichst unbelastet aufzuwachsen.

          Das Wohl der Kinder wird auch im Zuge der verfassungsrechtlich fragwürdigen Einebnung der Ehe zugunsten der gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft konsequent kleingeredet. Hier gibt es sogar einen Zusammenhang mit dem Inzestverbot. In Zeiten zunehmender Leihmutterschaften und künstlicher Befruchtungen verliert die Abstammung an Bedeutung. Dabei hat doch jedes Kind einen Vater und eine Mutter. Es braucht beide – und hat einen Anspruch darauf zu wissen, woher es kommt. Dass niemand wegen seiner Lebensweise diskriminiert werden darf, bedeutet nicht, dass alles gleich ist. Man muss gar nicht alten Sitten nachhängen, um zu erkennen, dass an vielen Stellen engagiert an den Fundamenten unseres Zusammenlebens gesägt wird. Die Abkömmlinge dieses Experiments werden fragen: Was habt ihr getan?

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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