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Debatte über EKD-Papier : „Es wird keine Änderungen am Papier geben“

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Nikolaus Schneider: „Wir haben den Fokus von „Ehe“ zu „Familie“ verschoben“ Bild: dpa

Ein Papier der Evangelischen Kirche sorgt für Streit unter den Geistlichen. Der institutionelle Aspekt der Ehe werde fast lautlos aufgegeben. Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der EKD, äußert sich zur Kritik.

          Herr Ratsvorsitzender, in der neuen EKD-Orientierungshilfe heißt es, die Kirche müsse „Familie neu denken“. Markiert das Papier einen Bruch in der kirchlichen Auffassung der Ehe?

          Ich halte das „Neudenken“ von Familie nicht für einen Bruch. Denn das Neue besteht darin, dass Familie nicht mehr allein auf die traditionelle Ehe beschränkt wird. Aber das ist kein Abschied von der Hochschätzung der Ehe. In dem Papier werden die konstitutiven Werte von Ehe und Familie - Vertrauen, Verlässlichkeit, Verbindlichkeit, Verantwortung, Gemeinschaftsgerechtigkeit zwischen zwei Menschen - beschrieben und dann nach den notwendigen Formen für diese Inhalte gefragt. Das Neue besteht nun darin, dass diese Werte nicht nur der traditionellen Ehe zugetraut und zugemutet werden. Und die Institution der Ehe darf nicht davon entbinden, die genannten Werte zu leben.

          Die Kirchen haben der Ehe zu fast allen Zeiten eine eigene Institutionenethik angedeihen lassen. Wenn die EKD hier eine Zäsur setzt, ist das zumindest einmal bemerkenswert.

          Die Institutionenethik wird nicht verabschiedet, aber sie wird der Werte-Ethik nachgeordnet. Schauen Sie sich übrigens die Institutionenethik von Ehe in der Bibel an: Dort wird die rechtliche Gestalt der Ehe vorrangig unter dem Gesichtspunkt des Eigentumsrechts verhandelt. Die Ehefrauen gehören dem Mann, sie haben gehorsam zu sein. Von Geschlechtergerechtigkeit sind wir hier weit entfernt. Auch in dieser Hinsicht ist es gut, „Familie neu zu denken“.

          ...diese Veränderungen sind innerhalb des Christentums aber doch auch reflektiert worden - und zum Teil mit vorangetrieben worden.

          Ja, aber bisher allein im Blick auf die Institution. Das hat notwendige Veränderungen gerade unter dem Gesichtspunkt „Gerechtigkeit“ häufig erschwert.

          Der württembergische Landesbischof July hat das EKD-Papier kritisiert. Er nehme „deutlich wahr, dass der institutionelle Aspekt der Ehe fast lautlos aufgegeben oder pauschal zurückgewiesen wird“. „Sehr schnell“ werde „aus der Beschreibung der gesellschaftlichen Veränderungen auch die Festlegung eines neuen Familienbegriffs“, warnt er.

          Ich verstehe, dass manche Formulierung möglicherweise diesen Eindruck erwecken konnte. Aber es geht uns gerade um ein Festhalten an der Ehe und ein Ausweiten ihrer entscheidenden Werte auf andere Formen von Familie.

          Das wurde nicht nur von Bischof July anders verstanden.

          Der Sache nach sagt der Text: Die institutionellen Formen sind an dem kritischen Maßstab der Werte zu messen - nicht um die Institution Ehe zu schwächen, sondern um ihre ethische Legitimität zu erhöhen. Und diese Werte sollen auch für andere Formen des Zusammenlebens eine orientierende Wirkung haben.

          Das Papier wendet sich auch gegen das Ehegattensplitting.

          Vom Ehegattensplitting profitieren ja am meisten diejenigen Eheleute, die keine Kinder haben und von denen der eine sehr viel verdient und die andere wenig oder nichts. Wir regen an, dass diejenigen am meisten profitieren, die für Kinder sorgen. Das Ehegattensplitting sollte zu einem Familiensplitting werden.

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