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Debatte über Dobrindt : Griechischer Wein und bayerische Weißwurst

  • -Aktualisiert am

CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wird aus den eigenen Reihen „provinzielles Gemecker“ vorgehalten - das kommt nicht alle Tage vor Bild: dapd

Mit Blick auf Griechenland und den Euro wird die CSU gleich von zwei Traumata gepeinigt: Alexander Dobrindt und die Befindlichkeiten zwischen München und Athen - ein bayerisch-griechisches Drama.

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          Es ist Zeit für eine Klarstellung aus München: Niemand in der CSU hat die Absicht, eine Mauer zur CDU zu errichten. Oder gar Angela Merkel der Lächerlichkeit preiszugeben, wie manche mutmaßen, nur weil CSU-Generalsekretär Alexander Dobrindt wieder einmal bayerisch-derb über das Ausscheiden der Griechen aus dem Euro-Raum räsoniert. Die Kanzlerin hat zwar gerade wissen lassen, sie wolle, dass die Griechen in der gemeinsamen europäischen Währung blieben - was Dobrindt überhört haben muss; aber eine gewisse Asynchronität zeichnet schon immer das Verhältnis zwischen den Unionsparteien aus.

          Nein, nichts ist der CSU ferner, als Angela Merkel zu ärgern: Doch die Partei wird mit Blick auf Griechenland gleich von zwei Traumata gepeinigt, wie sie fürchterlicher kaum sein können - vom Aiwanger-Trauma und vom Otto-Trauma.

          Währungspolitische Exkurse

          Hubert Aiwanger, der Vorsitzende der Freien Wähler, lässt kaum einen Tag verstreichen, in dem er nicht gegen eine „Schulden- und Haftungs-Union“ in Europa wettert und einen wirtschaftlichen „Neuanfang“ in Griechenland fordert, für den die Drachme wieder eingeführt werden müsse. Wer Dobrindt bei seinen währungspolitischen Exkursen lauscht, vernimmt nicht nur den CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer: Im Hintergrund rauscht gewaltig Aiwanger - jeder Prozentpunkt, den die Freien Wähler im nächsten Jahr bei der Landtagswahl erringen, wird die CSU weiter von ihrer einstigen Größe wegführen.

          Die Freien Wähler mit ihrer bürgerlichen Wählerklientel sind Fleisch vom politischen Fleische der CSU; mit ihnen droht der CSU, was sie immer gefürchtet hat wie der Teufel das Weihwasser, nämlich dass sich neben ihr eine rechtskonservative Kraft dauerhaft etablieren kann. Dobrindts Singsang, es könne nicht weiter nach dem Motto gehen „Einmal Euro-Zone, immer Euro-Zone“, ist auch der Versuch, Aiwanger als Kopie eines CSU-Originals erscheinen zu lassen. Die Gefahr, dass der gegenteilige Eindruck entsteht, nimmt Dobrindt in Kauf, auch wenn manche in seiner eigenen Partei sie sehr deutlich sehen und damit nicht hinterm Berg halten; dass einem CSU-Generalsekretär aus den eigenen Reihen „Gerede“ und „provinzielles Gemecker“ vorgehalten wird, kommt nicht alle Tage vor.

          Noch tiefer als das Aiwanger-Trauma geht freilich das Otto-Trauma - das Scheitern eines Bayern als griechischer König. Dieses Debakel liegt zwar schon ein wenig zurück: 1862 war es, dass der Wittelsbacher Otto, den die europäischen Großmächte Großbritannien, Frankreich und Russland nach dem griechischen Freiheitskampf zum König von Griechenland bestimmt hatten, nach einem Aufstand das Land verlassen musste. Aber die Bayern sind es gewohnt, in großen Zeiträumen zu denken. Otto, ein Sohn des bayerischen Königs Ludwig I., war gleichsam ein Geschenk an Griechenland gewesen; dass es die Griechen undankbar retournierten, wird immer noch als Schmach empfunden.

          Zumal sich Otto alle Mühe gab, es seinen Untertanen recht zu machen - er parlierte schon nach kurzer Zeit in der Landessprache, trug griechische Tracht und bereiste eifrig das Land.

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