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De Maizière und Schäuble : Die Merkel-Ärgerer

Grundverschieden in ihren Charakteren: de Maizière und Schäuble Bild: dpa

Es hätte eine so schöne Woche in Merkels Herbst der Entscheidungen werden können. Und da vermasseln ihr ausgerechnet der Integrator de Maizière und der Polarisierer Schäuble die Hochstimmung, weil sie hässliche Schlagzeilen produzieren.

          Es hätte eine so schöne Woche in Angela Merkels Herbst der Entscheidungen werden können. Die Steuerschätzer hatten gute Zahlen geschickt, die Wachstumsprognosen sind wunderbar und zur Krönung konnte die Kanzlerin des Exportriesen Deutschland in Südkorea die Pläne des amerikanischen Präsidenten vereiteln, Obergrenzen für Ausfuhren festzulegen. Und da vermasseln ihr ausgerechnet ihre beiden Arbeitstiere Thomas de Maizière und Wolfgang Schäuble die Hochstimmung, weil sie hässliche Schlagzeilen produzieren, an deren Ende die Spekulationsblase über eine Kabinettsumbildung vor den Füßen von Angela Merkel landet.

          Eckart Lohse

          Leiter der Parlamentsredaktion in Berlin.

          Markus Wehner

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Wolfgang Schäuble ist kein einfacher Chef. Er verlangt viel von seinen Leuten und macht keinen Hehl daraus, wenn er es für zu wenig hält. Am Donnerstag vor zehn Tagen kam es zu einem solchen Fall. Auf einer Pressekonferenz sollten die Zahlen der Steuerschätzer vorgestellt werden. Mitarbeiter zweier Abteilungen des Finanzministeriums brachten fünfzig Minuten zuvor den Text ins Ministerbüro, der an die Journalisten verteilt werden sollte. Nach wenigen Minuten sah Schäuble, dass wichtige Vergleichszahlen fehlten. Er forderte seinen Sprecher, Michael Offer, auf, die Zahlen noch in die Pressemitteilung einzufügen, bot ihm jedoch gleichzeitig eine Wette an, dass das nicht rechtzeitig gelingen werde. Fast hätte Schäuble die Wette verloren, wenn nicht am Ende in dem zu verteilenden Papierkonvolut eine Seite gefehlt hätte und der Kopierer ausgefallen wäre. Kurzum: Die Unterlagen waren nicht verteilt worden, als der Minister seine Pressekonferenz beginnen wollte, obwohl Offer anderes behauptet hatte. Schäuble raunzte Offer an, verließ die Pressekonferenz, kehrte zurück und gab schließlich noch einen spöttischen Kommentar über seinen Sprecher ab.

          Für de Maizière lief es nicht erfreulicher

          Das Video des Vorfalls machte auf Youtube eine steile Karriere, die Presse überschlug sich in Kritik an Schäuble, als hätte er seinen Sprecher vor laufender Kamera erschlagen. Schon am Freitag traf auf der Führungsebene des Ministeriums eine gut gemeinte Warnung ein, Schäuble müsse sich sofort öffentlich entschuldigen. Das könne sonst Folgen haben bis hin zur Rücktrittsforderungen an die Adresse des Ministers. Die Warnung wurde weitgehend ignoriert. Nur so weit ging Schäuble, dass er sagte, bei „aller berechtigten Verärgerung“ habe er „vielleicht überreagiert“. Niemand forderte seine Ablösung. Der einzige, der zurücktrat, war Michael Offer. Am Dienstag.

          Wolfgang Schäuble (links) und sein Ex-Sprecher Michael Offer

          Für Thomas de Maizière lief es nicht viel erfreulicher. Vor einer Woche war herausgekommen, dass die Bundeskanzlerin von einer Bombe, die aus Jemen per Luftfracht über Deutschland geflogen war und in Köln beim Umladen drei Stunden Zwischenstopp hatte, erst vom britischen Premierminister David Cameron erfahren hatte, in dessen Land das Paket aus dem Verkehr gezogen worden war. Die Briten hatten zuvor lange nicht bestätigt, dass der in einer Druckerpatrone versteckte Sprengsatz scharf war, die Deutschen gingen von einem Fehlalarm aus, der Innenminister sah keinen Anlass, seine Chefin damit zu belästigen.

          Natürlich warf Angela Merkel nicht mit Aktenordnern nach ihm, wie weiland angeblich Otto Schily nach seinen Mitarbeitern. Aber sie hat von der britischen Insel aus sofort mehrfach mit ihm telefoniert und klargemacht, dass sie es nicht gut fand, so in Unwissenheit gelassen worden zu sein. Man einigte sich darauf, dass es besser wäre, „das beim nächsten Mal anders zu handhaben“, so der Regierungssprecher. De Maizière sagte umgehend seine Israel-Reise ab, um den Schwachstellen im europäischen Luftfrachtverkehr auf den Leib zu rücken. Und er warnte erstmals vor der Terrorgefahr, bat die Bevölkerung „in ihrem Umfeld wachsam zu sein und alles, was verdächtigt erscheint, der Polizei zu melden“. Es gebe ernst zu nehmende Hinweise auf Anschläge hierzulande.

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