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David Groenewold : Nicht nur hinter den Kulissen

  • -Aktualisiert am

David Groenewold Bild: dpa

Er habe nie geschäftliche Beziehungen mit Christian Wulff gehabt, sagt der Filmproduzent David Groenewold, der 2007 die Hotelkosten der Wulffs auf Sylt ausgelegt haben soll. Ein starkes wechselseitiges Interesse aber hat es gegeben.

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          David Groenewold ist einer der erfolgreichsten deutschen Filmproduzenten und Filmfinanziers. Zu seinen Filmen zählen anspruchsvolle ebenso wie populäre – etwa jüngst Helmut Dietls „Zettl“ über den Berliner Politikbetrieb. Ein von ihm produziertes Liebesdrama über den Mauerbau, „Der Rote Kakadu“, lief Mittwoch früh bei der ARD. In der Bundeshauptstadt wird Groenewold immer wieder abgebildet mit schönen Menschen im Schlepptau, dabei hält er sich eigentlich gerne im Hintergrund. Und er ist seit 2003 – damals begegneten sich die beiden bei der Premiere des Films „Das Wunder von Lengede“ - ein Freund des Bundespräsidenten Wulff.

          Immer wieder wird Groenewolds Name genannt im Zusammenhang mit den Affären um Wulff. Medien berichteten, er habe 2008 bei einem Besuch des damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und dessen Frau in München den Unterschiedsbetrag für eine Hochstufung eines Hotelzimmers bezahlt – angeblich ohne Wissen Wulffs, der den Differenzbetrag später erstattet habe. Nun wird berichtet, Groenewold habe 2007 für das Ehepaar Wulff die Hotelkosten für drei Nächte auf Sylt bezahlt, Wulff aber habe diese Kosten, so dessen Anwalt Lehr, anschließend „bar“ erstattet.

          Dennoch haben weder die Grünen noch die SPD in den letzten Wochen nach Groenewold gefragt bei ihren insgesamt 162 Fragen an den niedersächsischen Landtag. Dabei ging es um Ferienaufenthalte des damaligen Ministerpräsidenten und um Landesbürgschaften. Eine Ende 2006 zugesagte Landesbürgschaft Niedersachsens von vier Millionen Euro hatte Groenewolds Firma nicht in Anspruch genommen – sie wurde mit dem Wirtschaftsministerium verhandelt, nicht mit der Staatskanzlei, obwohl sich Wulff in seiner Zeit als Regierungschef stark für Filmförderung einsetzte. Wer über Groenewold berichtet, muss sich auf juristische Einlassungen gefasst machen – nicht selten gibt es Unterlassungserklärungen und Sperrvermerke.

          Im Mitgliedermagazin der niedersächsischen CDU gab es im Juli 2005 eine ungewöhnliche (und ungewöhnlich teure) Anzeige für seinen Film „Der Tod kommt krass“ – Redakteurin des Mitgliederblattes war Vera Glaeseker, Frau des Wulff-Vertrauten Olaf Glaeseker. Groenewolds Anwalt wird dazu vom NDR mit dem Satz zitiert: „Die Anzeigenschaltung war mit keiner Zusage oder Gegengeschäft verbunden. Eine geschäftliche Beziehung mit Herrn Wulff hat es nie gegeben“.

          Starkes wechselseitiges Interesse

          Dass es aber zumindest ein starkes wechselseitiges Interesse gab, wurde bei einem Abendessen sichtbar, zu dem Groenewald im Juli 2005 „zu Ehren von Christian Wulff“ nach Berlin lud. Wulff sagte da, der deutsche Film habe es verdient, dass sich die Politik um ihn kümmere. Groenewold siedelte 2007 die Tochterfirma seiner Produktionsfirma, die Waterfall Production GmbH, in Hannover an, da Wulff „mit viel persönlichem Einsatz wichtige Impulse für die Weiterentwicklung der Medienwirtschaft“ gebe.

          Der gebürtige Berliner Filmkaufmann Groenewold ist mit Filmen und Büchern aufgewachsen. Sein Vater, ein bekannter Steueranwalt, hatte einst an der Finanzierung des Films „Christiane F. – die Kinder vom Bahnhof Zoo“ mitgewirkt. Nach seinem Abitur machte er ein Praktikum bei einer Produktionsfirma. Nach seinem Volkswirtschaftsstudium an der London School of Economics gab er seine Arbeit bei einer großen amerikanischen Bank auf, um als Assistent beim amerikanischen Late-Night-Talker David Letterman zu lernen. Mit seinem Medienfonds „German Film Productions“ war er einer von jenen, die Gelder für die Finanzierung von Filmen sammeln. Groenewold mischte die deutsche Filmbranche auf – er gilt als begnadeter Verkäufer. Anders als viele Filmfonds, die Gelder nach Hollywood sandten, konzentriert er sich auf den deutschen Film.

          In das Rampenlicht will er nicht

          Dabei hat der Enddreißiger im deutschen Filmgeschäft den Ruf, sich auch für schwierige Projekte kleiner Produzenten einzusetzen. Als er 2006 die Mehrheit an der Produktionsfirma Odeon – sie stellt erfolgreiche Fernsehserien her wie „Der letzte Zeuge“ oder „Ein Fall für zwei“ – übernahm und ihren Sitz nach Berlin verlegte, belebte er die zuvor als schläfrig geltende Gruppe. Dabei legt Groenewold, sagt er, Wert darauf, die Produktion von Filmen und die Finanzierung getrennt zu halten. In das Rampenlicht wolle er nicht – dorthin gehörten Schauspieler und Regisseure.

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