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Zu intransparent? : Offener Streit bei Projekt für Corona-App

Lässt wohl weiter auf sich warten: eine Corona-App Bild: dpa

Am Wochenende haben mehrere Wissenschaftler und Institute die europäische Initiative für eine Corona-App verlassen. Sie kritisieren den Ansatz zur Datenspeicherung, zu dem es keine offene Debatte gegeben habe.

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          Die kurze Geschichte der europäischen Initiative für eine Corona-App wirkte bislang, als entstamme sie einem Drehbuch für einen Hollywood-Katastrophenfilm: Wissenschaftler und Unternehmer schmieden im Angesicht der Katastrophe eine Allianz, programmieren die Nächte durch, eine europäische Regierung nach der anderen unterstützen das Projekt, und am Ende entsteht die Grundlage für eine App, die in ganz Europa die Pandemie einzudämmen vermag. Inzwischen aber ist die Initiative PEPP-PT angekommen in der Wirklichkeit. Denn nicht nur verzögert sich die App des Robert-Koch-Instituts (RKI) um mehrere Wochen, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Freitag ankündigte. Im Projekt selbst ist auch offener Streit ausgebrochen.

          Morten Freidel
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung

          Mehrere bedeutende Wissenschaftler und Institute haben PEPP-PT am Wochenende den Rücken gekehrt und schwere Vorwürfe erhoben. Am Freitag trat zunächst der Schweizer Epidemiologe Marcel Salathé, Professor an der Polytechnischen Universität in Lausanne aus dem Zusammenschluss aus. Salathé schrieb auf Twitter, die Initiative sei nicht „offen“ und „transparent“ genug. Er glaube zwar noch an die Kernideen, eine internationale Lösung für eine App zu finden, die zugleich die Privatsphäre der Nutzer respektiere, schrieb aber weiter: „Ich kann nicht hinter etwas stehen, von dem ich nicht weiß, wofür es eigentlich steht.“

          Nach Salathé gab auch das in Deutschland beheimatete Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit bekannt, es wolle sich zurückziehen. Im Laufe des Wochenendes kamen noch weitere wissenschaftliche Institutionen hinzu: Die italienische „ISI Foundation“ sowie die Katholische Universität Löwen. Salathé sowie die das deutsche Helmholtz-Zentrum für Informationssicherheit wollen sich nun für eine andere Initiative mit dem Namen DP3T engagieren, die auf einen dezentralen Ansatz bei der Datenspeicherung von Kontaktpersonen setzt.

          Schadet eine öffentliche Debatte?

          Gemeinsam ist fast allen Kritikern, dass sie eine dezentrale Lösung vorziehen und schwere Datenschutzverletzungen befürchten, sollten die Daten stattdessen auf einem zentralen Server gespeichert werden. Den Unterschied erklärt Salathé so: „Das, was von PEPP-PT veröffentlicht wurde, läuft auf das Argument hinaus, dass man einer zentralen Stelle vertrauen muss. Unser Ansatz aber ist: Und führe uns nicht in Versuchung. Lasst uns von Anfang an ein System bauen, dass es unmöglich macht, Daten zu verknüpfen, weil es das von Grund auf nicht erlaubt.“

          Die Kritiker werfen dem PEPP-PT vor allem vor, eine offene Diskussion über die Frage unterdrücken zu wollen, welcher Ansatz sich besser für eine Corona-App eignet. „Bei PEPP-PT hieß es: eine öffentliche Debatte schade der Sache nur“, sagt etwa Salathé gegenüber der F.A.Z. „Ich finde genau diese offene Debatte ist notwendig, denn wir müssen Vertrauen aufbauen. Alles muss vollständig transparent ablaufen. Nun wird von denen vor allem ein zentraler Ansatz verfochten. Da habe ich nichts dagegen. Aber dann müssen die Details offengelegt werden.“

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