https://www.faz.net/-gpf-6kwd9

Datenschutzlücke : Spionieren mit Facebook

Herr der Daten: Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Bild: (c) AP

Facebooks Datensammelwut macht es möglich: Sogar Kontaktpersonen von Nichtmitgliedern lassen sich ermitteln - allein mit einer E-Mail-Adresse. Wie leicht das geht, zeigt ein Experiment der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Sie sind nicht bei Facebook angemeldet? Sie glauben, Sie hätten noch nie etwas mit diesem Online-Netzwerk zu tun gehabt? Facebook weiß womöglich trotzdem, mit wem Sie sich E-Mails schreiben. Und ein Versuch der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (F.A.S.) zeigt: Facebook verrät das auch noch jedem, der es wissen will. Er muss dazu lediglich Ihre E-Mail-Adresse eintippen. Ein Passwort ist gar nicht notwendig. Datenschutz? Fehlanzeige!

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Facebook-Nutzer füttern das Netzwerk mit vielen Daten – über ihre Vorlieben, ihren Aufenthaltsort, ihre Freunde, ihre Hobbys. Aber dabei bleibt es nicht. Facebook sammelt auch Daten über ungezählte Nichtmitglieder, darunter E-Mail-Adressen von Menschen, die nichts mit dieser Firma zu tun haben wollen. Die auch nie gefragt wurden. Wie Barbara L.

          „Willkommen bei Facebook“

          Wir geben uns auf der Facebook-Seite als Neumitglied aus, tragen einen Fantasienamen ein und erfinden ein Geburtsdatum. Als E-Mail-Adresse geben wir jene von Barbara L. an. Schon ein paar Klicks später erscheinen zwanzig Facebook-Mitglieder, die mit Barbara L. in Kontakt stehen könnten. Und Bilder dieser Personen noch dazu. Wir legen der Betroffenen die Liste vor. 18 der 20 Personen erkennt sie sofort – und findet es „gruselig“, dass das jeder über sie herausfinden kann, der nichts weiter als ihre E-Mail-Adresse hat.

          Mit Algorithmen lassen sich bei Facebook schnell Freunde finden

          Grund dafür ist, dass Facebook bei der Registrierung eines neuen Mitglieds nicht sofort überprüft, ob es sich bei dem, der da anklopft, wirklich um den Besitzer der E-Mail-Adresse handelt. Dem schickt Facebook zwar umgehend eine Mail, mit der er die Mitgliedschaft bestätigen soll. Doch eine Sekunde später kommt schon eine weitere Mail „Willkommen bei Facebook“. Darin heißt es: „Dein Konto wurde erstellt.“ Das soeben angelegte Facebook-Profil lässt sich erst einmal auch ohne Bestätigung benutzen. Also auch von einem Fremden missbrauchen, um andere Facebook-Mitglieder unter falschem Namen zu kontaktieren – bis der Besitzer der missbrauchten E-Mail-Adresse das entdeckt und meldet. Erst vergangene Woche hatte sich der amerikanische Blogger und „Techcrunch“-Gründer Michael Arrington auf Facebook als Google-Chef Eric Schmidt ausgegeben. (Siehe auch: Facebook: Blogger gibt sich als Google-Chef aus)

          Wir wiederholen den Test mit anderen E-Mail-Adressen. Bei ihnen findet Facebook zwei bis zwanzig Kontakte – fast alle sind den Besitzern der E-Mail-Adressen tatsächlich bekannt. Mit privaten Adressen funktioniert es besser als mit geschäftlichen.

          Woher bekommt Facebook Daten über Nichtmitglieder? Von Mitgliedern, die bedenkenlos ihre E-Mail-Konten öffnen und Facebook darin nach Adressen suchen lassen. Dafür geben sie sogar ihre E-Mail-Passwörter preis. So kann Facebook einen Pool von Millionen Mail-Adressen anlegen und neuen Mitgliedern sogleich „Freunde“ vorschlagen. Immer wieder staunen Neumitglieder darüber, dass sie diese Leute tatsächlich kennen. Genau damit rechtfertigt Facebook die Datensammelei. „Viele deiner Freunde sind schon hier“, heißt es bei der Einrichtung einer Mitgliedschaft. „Das Durchsuchen deines E-Mail-Kontos ist der schnellste Weg, um deine Freunde auf Facebook zu finden.“

          „Hinter dem Rücken von Betroffenen“

          Das mag stimmen. Aber Facebook greift dabei alle verfügbaren E-Mail-Adressen ab, auch solche von Nichtmitgliedern. Weder darauf noch auf Missbrauchsmöglichkeiten wird das Neumitglied an dieser Stelle hingewiesen. Und die unbeteiligten Dritten, deren Daten gerade abgesaugt und gespeichert werden, können sich dagegen erst mal gar nicht wehren. Denn sie wissen ja nichts davon. Jedenfalls wurde keine unserer Testpersonen von ihren Freunden darüber informiert, dass ihre Adressen weitergegeben wurden.

          Weitere Themen

          Macron geht in die Offensive Video-Seite öffnen

          Weitere „Gelbwesten“-Proteste : Macron geht in die Offensive

          Der Präsident steht in der Kritik, weil er trotz der anhaltenden Proteste seiner gelbe Warnwesten tragenden Gegner seit über einer Woche die Öffentlichkeit gemieden hat. Jetzt will der französische Präsident mit einer Rede an die Nation die Wogen glätten.

          Wichtiges Symbol für Multilateralismus Video-Seite öffnen

          Merkel zu UN-Migrationspakt : Wichtiges Symbol für Multilateralismus

          Der UN-Migrationspakt ist unterzeichnet: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat in Marokko den gerade verabschiedeten UN-Migrationspakt als wichtiges Symbol für die internationale Zusammenarbeit bezeichnet. 164 Staatsführungen sprachen sich dafür aus, 28 dagegen.

          Topmeldungen

          Der französische Präsident Emmanuel Macron während seiner Ansprache an die Nation.

          Protest der „Gelbwesten“ : Macrons Kehrtwende

          Er sei kein Weihnachtsmann, hatte der französische Präsident Emmanuel Macron zuvor gesagt. Doch fast ein Monat mit teils gewalttätigen Protesten zeigt jetzt Wirkung: Zum 1. Januar gibt es in Frankreich Geldgeschenke.

          Brexit-Chaos : Jetzt ist alles denkbar

          Nach der Verschiebung der Brexit-Abstimmung im Unterhaus erscheint alles denkbar: Theresa Mays Rücktritt, ihr Sturz, Neuwahlen – oder ein neu ausgehandelter Brexit-Vertrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.