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Datenschutz : Was hilft gegen den Cookieterror im Internet?

Kekse mit den Logos der großen Browsermarken Firefox, Google Chrome und Safari Bild: Frank Röth

Alle sind im Internet genervt von der Frage, ob sie Cookies zustimmen wollen. Sogar die Politiker, die sie verursacht haben. Im Sommer nächsten Jahres könnte es eine Lösung geben.

          6 Min.

          Eigentlich ist die ganze Ge­schichte ein Witz. Und der geht so: Ein Bürger schlendert durch ein Einkaufszen­trum, betritt einen Laden. Dort wird er gleich vom Sicherheitspersonal mit Fragen bedrängt und um Un­terschriften gebeten. „Dürfen wir Ihre Einkäufe in unserer Kasse speichern?“ „Stimmen Sie der Kameraüberwachung zu?“ „Dürfen wir Sie beim nächsten Mal mit Namen begrüßen?“

          Justus Bender
          Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im echten Leben würde der Bürger lachen. Er würde fragen, wo die versteckte Kamera sei. Er würde abwinken, den Laden verlassen und in einen anderen gehen. Erst wenn auch dort Sicherheitsleute auf ihn zugestürmt kämen, Unterschriften verlangen würden, wäre die Sache kein Spaß mehr. Dann wäre das ganze Leben auf einmal ein einziges Internet.

          Dort werden die Bürger seit mehr als einem Jahr gegängelt mit hoch aufgerichteten Warnschildern, die ihnen den Weg versperren. Sie sollen Auskunft ge­ben, ob sie Cookies zustimmen. Sonst kommen sie nicht weiter. Cookies sind keine Kekse, sondern Wegmarken, mit denen Internetseiten feststellen, dass der Nutzer, der eben auf Amazon ein Paar Joggingschuhe gekauft hat, der gleiche ist, der nun auf Youtube ein Video über Marathonläufe schaut, und deshalb der ideale Kandidat für einen kleinen Werbefilm über die neueste Lauf-App, der ihm dann eine halbe Stunde später auf Facebook gezeigt wird. Wer immer allen Cookies zustimmt, kann davon ausgehen, dass etliche Werbefirmen ihn ir­gendwann besser kennen als er sich selbst. Es gibt Studien, die zeigen, dass Facebook die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen anhand von wenigen Hundert Klicks besser vorhersagen kann als die nächsten Angehörigen. Jede Zu­stimmung zu Cookies füttert also das Cookiemonster, die Datenkrake, die ir­gendwann weiß, dass der Mann, der gern joggt, auch bei einer renommierten Bank arbeitet, nebenbei Pornos guckt, seine Frau mit der Joggingpartnerin betrügt und gestern nach 23 Uhr bei einer On­lineapotheke ein Mittel gegen Fußwarzen gesucht hat. Jeder Mensch hat Ge­heimnisse.

          Der tausendste Mausklick ist der schmerzhafteste

          Also liegt der Gedanke nahe, die Da­tensammelwut der Konzerne zu bremsen, zum Beispiel damit, dass sie um Er­laubnis bitten müssen. Das stand ab 2009 in der Datenschutzrichtlinie der EU, wurde in Deutschland aber so lange ig­noriert, bis die Verbraucherzentrale vor dem Bundesgerichtshof klagte, der im Sommer 2020 urteilte, dass die Seiten überall nachfragen müssen. Seitdem müs­­sen Besucher einer Internetseite erst mal den Papierkram erledigen. Es ist eine Petitesse nach dem Prinzip der chine­sischen Wasserfolter. Der tausendste Mausklick ist der schmerzhafteste.

          Ein Cookie-Banner im Internet
          Ein Cookie-Banner im Internet : Bild: dpa

          In politischen Fragen gibt es oft ein Für und Wider, wer seriös argumentiert, hütet sich vor apodiktischen Urteilen. In dieser Frage ist das nicht so. Alle finden den Zustand, wie er ist, schlecht. Wirklich alle: Parteien, Fachleute, Seiten­betreiber, Datenschützer, Verbraucherschützer. Niemand hat beabsichtigt, dass es so wird, wie es ist. Jede einzelne Cookie-Abfrage ist ein kleines Denkmal des Scheiterns. Was den Bürgern die Möglichkeit geben sollte, ihre Daten zu schüt­zen, verkommt in der Praxis zum Ge­genteil. Die Menschen klicken die Banner nur noch weg, das zeigen Um­fragen. Es gibt sogar kleine Programme, die diese Aufgabe übernehmen. Sie auto­matisieren die Kapitulation.

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