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Missbrauch-Kommentar : Jedem Fall nachgehen

Absperrband der Polizei grenzt das Gebäude auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde im Kreis Lippe ein. Hier waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden. Bild: dpa

Am Strafrahmen lag es nicht, dass niemand den Hinweisen zu den Missbrauchsfällen in Lügde nachging. Es wäre viel gewonnen, wenn die öffentliche Aufmerksamkeit generell dazu führte, dass jeder Fall verfolgt wird.

          Ein Fall massiven sexuellen Kindesmissbrauchs setzt immer auch die Politik unter öffentlichen Druck. Angesichts des (mutmaßlichen) Geschehens auf einem Campingplatz in Nordrhein-Westfalen sprach der Innenminister selbst von Behördenversagen. Und er forderte eine Verschärfung des Strafrechts. Auch das ist eine verständliche Übung – allerdings auch eine Nebelkerze.

          Denn am Strafrahmen lag es eben nicht, dass niemand den Hinweisen nachging. Und bedarf es wirklich eines Zeichens, dass die Gesellschaft sexuellen Missbrauch „nicht achselzuckend hinnimmt“? Hat sie das je getan?

          Wer das Strafrecht verschärfen will, muss einen überzeugenden Grund haben. Denn das hat auch einen Preis. Es ist gut, dass die Staatsanwaltschaft jetzt angekündigt hat, „stringent durchzuermitteln“ und die Anklage möglichst früh fertigzustellen. Das ist freilich ihre Aufgabe und gesetzliche Pflicht.

          Es wäre viel gewonnen, wenn die Aufmerksamkeit, die sich aus guten Gründen auf solche furchtbaren Fälle richtet, generell zu mehr Wachsamkeit führte und dazu, dass jeder Fall verfolgt wird.

          Reinhard Müller

          Verantwortlicher Redakteur für „Zeitgeschehen“, „Staat und Recht“ sowie Frankfurter Allgemeine Einspruch.

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