https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/das-zauberkunststueck-der-ampel-koalition-ein-kommentar-17654060.html

Zauberkunststück der Ampel : Dann wird Heulen und Zähneklappern sein

Aufbruch in unterschiedliche Richtungen: die Koalitionäre bei der Vorstellung ihres Bündnisvertrages. Bild: EPA

Noch berauscht die Ampel-Koalition sich an der Magie der Macht. Doch der Zauber des Neuanfangs wird bald verfliegen.

          3 Min.

          Es war leichtsinnig von Hermann Hesse, wirklich jedem Anfang einen Zauber zuzuschreiben. Aber wie hätte er auch ahnen sollen, dass seine Worte besonders dann mit hoher Wahrscheinlichkeit aus Politikern herausquellen, wenn sie Koalitionsverhandlungen abgeschlossen haben? Dieses Mal benutzte Saskia Esken die ziemlich verschlissene Formel, um Deutschland wissen zu lassen, wie zauberhaft sie die Einigung mit den Grünen und der FDP auf ein politisches Bündnis für die nächsten vier Jahre finde. Obwohl sie, die SPD-Parteivorsitzende, nicht mit am Kabinettstisch sitzen darf.

          Doch nicht nur Esken, ihre ganze Partei ist von der Magie der Macht ergriffen. Wie sollte es auch anders sein? Bis vor wenigen Monaten galt die SPD als eine vom Aussterben bedrohte Spezies. Jetzt aber kann sie mit einigem Recht sagen: Der Staat, das bin ich. Sie stellt den Bundeskanzler, ein halbes Dutzend Bundesminister und die Bundestagspräsidentin. Der Bundespräsident ist sozialdemokratischer Herkunft (seine Mitgliedschaft ruht). Wird ein Ministerpräsident aus den Reihen der Roten turnusgemäß Präsident des Bundesrates, sind die vier höchsten Staatsämter in der Hand von Sozialdemokraten. Die Wahrscheinlichkeit, dass im nächsten Jahr die Zahl der sozialdemokratischen Länderchefs zunimmt, ist nicht gering. Die SPD wird auch den nächsten Präsidenten der Bundesbank vorschlagen.

          Testen Sie unser Angebot.
          Jetzt weiterlesen.
          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          VW Polo im Fahrbericht : Sturm vor der Ruhe

          Der Polo ist so klassenlos wie der Golf. Wer sich für ihn entscheidet, fährt einen soliden Kleinwagen mit großem Talent. Volkswagen frischt ihn jetzt wieder auf. Womöglich zum letzten Mal.
          Hamburg: Ein Airbus-Transportflugzeug vom Typ Beluga fliegt im Landeanflug auf das Werksgelände in Finkenwerder über ein riesiges Containerschiff.

          Milliardär Gianluigi Aponte : Das Meer ist nicht genug

          Gianluigi Aponte, Gründer des Weltmarktführers MSC, greift mit der Lufthansa nach dem Nachfolger der Airline Alitalia. Nicht nur in der Seefahrt hat er seine Finger im Spiel. Wer ist der diskrete Milliardär?