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Allensbach-Studie : Die Welt der Wutbürger

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Pegida-Demonstration in Dresden: Eine Mehrheit der AfD-Wähler ist dagegen, dass Parteien Kompromisse schließen. Bild: dpa

Populismus hat die Gesellschaft im Griff: Die Hälfte der Deutschen denkt verächtlich über Politiker, das zeigt eine Allensbach-Studie im Auftrag der F.A.Z. – und noch mehr haben das Prinzip der repräsentativen Demokratie nicht verstanden.

          Nicht erst seit den jüngsten Wahlerfolgen der AfD ist das Schlagwort Populismus in Mode. Ob es um den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump geht, seinen Wettbewerber Bernie Sanders, die polnische, ungarische oder griechische Regierung, die AfD oder die CSU – stets ist der Vorwurf des Populismus nicht weit. Das Wort wird so inflationär gebraucht, dass sich die Direktion des Südwestrundfunks Ende 2015 genötigt sah, seine Redakteure zu bitten, nicht automatisch jeder Nennung des Parteinamens AfD das Adjektiv „rechtspopulistisch“ hinzuzufügen.

          Was bedeutet der Begriff eigentlich, der ja ein weltweites Phänomen beschreibt? Sicher lassen sich leicht Merkmale für populistische Politik finden, allen voran die Taktik von Politikern, nicht die Positionen zu vertreten, die sie selbst für richtig halten, sondern das zu fordern, was ihnen ihrer Ansicht nach den meisten Applaus in der Öffentlichkeit einbringt. Doch es bedarf eines bestimmten gesellschaftlichen Klimas, damit solche Politiker auch den Zuspruch eines wesentlichen Teils der Bevölkerung erhalten. Was kennzeichnet dieses Meinungsklima? Und hat die Neigung der Bevölkerung, populistischen Thesen zu folgen, tatsächlich in den vergangenen Jahren zugenommen? Dies sind die Fragen, denen das Institut für Demoskopie Allensbach in der jüngsten repräsentativen Bevölkerungsumfrage im Auftrag dieser Zeitung nachgegangen ist.

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          Soll Politik exakt das tun, was das Volk will?

          Ein wesentliches Element des populistischen Weltbildes ist sicherlich die Vorstellung, die Politik müsse stets exakt das tun, was das Volk wolle. Diese Vorstellung ist bei den Deutschen weit verbreitet. Das zeigen die Ergebnisse einer in der aktuellen Allensbacher Umfrage enthaltenen Dialogfrage: Die Interviewer überreichten den Befragten ein Bildblatt, auf dem zwei Personen in einer Gesprächssituation abgebildet waren. Die eine Person sagte: „Ich finde, ein Politiker kann auch mal gegen den Willen der Mehrheit des Volkes entscheiden. Schließlich wurde er gewählt, dass er Verantwortung übernimmt und stellvertretend für das Volk entscheidet.“ Das Gegenargument lautete: „Ich erwarte von einem Politiker, dass er sich so entscheidet, wie die Mehrheit des Volkes entscheiden würde. Schließlich wurde er deswegen gewählt.“ Dazu wurde die Frage gestellt: „Welcher von beiden sagt eher das, was auch Sie denken?“ 60 Prozent der Befragten entschieden sich daraufhin für die zweite Position, von den AfD-Anhängern waren es sogar 85 Prozent. Lediglich 29 Prozent vertraten die Ansicht, dass ein Politiker auch mal gegen den vermuteten Mehrheitswillen entscheiden dürfe.

          Es ist offensichtlich, dass nur wenige Deutsche das Prinzip der repräsentativen Demokratie verinnerlicht haben, wonach sich die Bürger bei der Wahl nicht nur für bestimmte politische Positionen entscheiden, sondern ihren gewählten Vertretern im Parlament auf Zeit die Verantwortung für das Land übertragen, und dass diese Verantwortung mit der Verpflichtung verbunden ist, im Zweifelsfall dem eigenen Gewissen zu folgen und nicht einem augenblicklich vermuteten Volkswillen.

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