https://www.faz.net/-gpf-739b1

„Das wäre zu früh“ : Gauck gegen baldige Volksabstimmung über Europa

„Europa ist ein Versprechen für mehr Menschlichkeit“ Bild: dpa

Bundespräsident Gauck hat in einem Interview vor Überheblichkeit in der Euro-Krise gewarnt. Keine Nation lasse sich gerne von einer anderen belehren, sagte er. Bevor es zu einer Volksabstimmung komme, müssten Politiker Europa erklären, um die „Verunsicherung zu minimieren“.

          1 Min.

          Bundespräsident Joachim Gauck hat sich gegen eine baldige Volksabstimmung über Europa ausgesprochen. Dies wäre „eigentlich ein bisschen früh“, sagte Gauck in einem Interview mit dem Deutschlandfunk. In Europa werde sich „die Bevölkerung dieses Raumes“ noch daran gewöhnen, „dass die Nation möglicherweise nicht das letzte Wort ist“. Gauck erinnerte an die deutsche Wiedervereinigung und sagte, es gebe Situationen, da „kann es manchmal sein, dass das ökonomische Denken dem politischen unterzuordnen ist“. Aber, so fügte der Bundespräsident hinzu, „das geht nicht uferlos“.

          Peter Carstens

          Politischer Korrespondent in Berlin

          Er sei der Überzeugung, dass Rechtsstaatlichkeit und Freiheit „weit über den Sorgen steht, ob wir genügend Geld verdienen, ob die Prosperität und finanzielle Sicherheit gewährt ist“. Wer Freiheit und Demokratie einmal verloren habe, wisse, „dass Europa mehr ist als nur eine Finanzunion und eine Währungsunion und ein materielles Glücksversprechen. Er weiß, dass es ein Versprechen ist für mehr Menschlichkeit“. Bevor der Prozess der europäischen Integration weiter voranschreite und es zu einer Volksabstimmung komme, seien allerdings Voraussetzungen zu schaffen. Dazu gehöre, dass deutsche Politiker Europa erklärten, um „Verunsicherung zu minimieren“.

          Im Umgang mit verschuldeten Ländern wie Griechenland warnte Gauck vor Überheblichkeit. Keine Nation lasse sich gerne von einer anderen belehren - „schon gar nicht von einer, die früher über diese Nation hergefallen ist“. In der Diskussion über das künftige Europa müssten die Deutschen bei „unseren südeuropäischen Partnern sehen, dass der Wille zur Strukturreform wirklich sichtbar ist“. Es genüge nicht, die Fachleute zu überzeugen, sondern „es muss auch in der Bevölkerung ankommen“, mahnte Gauck.

          „Entscheidend“ sei nicht, „dass Deutsche den Griechen erzählen, was zu tun ist, sondern das Entscheidende ist, dass in Griechenland ein Diskurs in Gang kommt, der die Fakten wahrnimmt.“ Zur Kritik einiger Länder an Deutschlands Rolle in der Schuldenkrise sagte der Bundespräsident, dazu gehöre es auch zu fragen: „Wenn euch Deutschland jetzt etwas zu stark ist,... hättet ihr uns dann lieber als den kranken Mann Europas?“

          Weitere Themen

          Die Härten der Realpolitik

          TV-Kritik zu „Maybrit Illner“ : Die Härten der Realpolitik

          Der Einmarsch der Türkei in Syrien beherrscht die öffentliche und politische Debatte auch in Deutschland. „Wie machtlos ist Europa?“ fragte Maybrit Illner ihre Gäste und erhielt eine nüchterne Bestandsaufnahme der deutschen Außenpolitik.

          Topmeldungen

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Brexit-Debatte im Unterhaus : Ein neuer Antrag sorgt für Unruhe

          Zu Beginn des „Super Saturday“ liefern sich Boris Johnson und Jeremy Corbyn einen Schlagabtausch im britischen Parlament. Dabei ist mittlerweile unklar, ob am Nachmittag überhaupt über den Brexit-Vertrag abgestimmt wird.

          Brexit-Liveblog : Abrissbirnen und der Bus des Premierministers

          Johnson will vom Letwin-Antrag nichts wissen +++ Hunderttausende zu Demonstrationen erwartet +++ „Super Samstag“ im britischen Unterhaus +++ Alle Infos zum Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen im Liveblog.
          Farrow, hier in New York, brachte nach Weinstein CBS-Chef Leslie Moonves und Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman zu Fall.

          Ronan Farrow über Weinstein : Missbrauch mit System

          Ronan Farrow sorgte dafür, dass der Hollywood-Mogul Harvey Weinstein wegen sexueller Straftaten vor Gericht kommt. In seinem Buch „Durchbruch“ erzählt Farrow, wie seine Recherche gestoppt werden sollte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.