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Mordfall Kandel : Ein Urteil und viele Fragen

Bild: dpa

Der Mord an Mia V. hat die Stadt Kandel aufgewühlt. Von der Tat bis zum Urteilsspruch vergingen neun Monate, in denen der Täter in Untersuchungshaft saß. Doch auch nach dem Urteil bleibt vieles ungeklärt.

          Acht Jahre und sechs Monate also – so lange muss Abdul D. nach dem Urteil des Landgerichts Landau in Haft, weil er die 15 Jahre alte Mia V. Ende vergangenen Jahres in einem Drogeriemarkt in Kandel mit einem Brotmesser erstochen hat. Warum das Urteil so und nicht anders ausfiel, wird die Öffentlichkeit nicht erfahren. Nicht bei der Verkündung am Montagmorgen, die wie das gesamte Verfahren hinter verschlossenen Türen stattfand, und auch nicht bei einem am Nachmittag anberaumten Pressetermin, das der Gerichtssprecher vor etwa 50 angereisten Journalisten mit den Worten einleitete: „Der Grundsatz der Nichtöffentlichkeit bezieht sich nicht nur auf die Urteilsverkündung, sondern auch auf die Urteilsbegründung.“

          Constantin van Lijnden

          Redakteur für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Diese Heimlichkeit hat einen einfachen, aber nicht unumstrittenen Grund: Abdul D. ist möglicherweise minderjährig. Er war zur Tatzeit zwar keinesfalls, wie von ihm selbst behauptet, 15 Jahre alt. Nach Einschätzung eines Altersgutachtens der Staatsanwaltschaft war er zwischen 17,5 und 20 Jahre alt. Zu seinen Gunsten musste daher jedoch im Zweifel angenommen werden, dass er noch minderjährig war; selbst bei einem Alter zwischen 18 und 21 Jahren wäre die Anwendung des Jugendstrafrechts allerdings möglich, jedoch nicht mehr zwingend gewesen.

          Die öffentliche Sezierung des Privatlebens, der Motive und der Lebensgeschichte, die erwachsene Angeklagte in öffentlichen Strafprozessen oft über sich ergehen lassen müssen, will das Gesetz Minderjährigen ersparen – wobei das Landgericht Landau diesen Grundsatz besonders ernst zu nehmen scheint, wenn es ihn nicht nur auf die Verhandlung, sondern auch auf die Urteilsbegründung erstreckt.

          Weder auffällig streng noch besonders milde im Urteil

          Das junge Alter von Abdul D. ist zugleich der Grund, warum er (nach Abzug der neun in Untersuchungshaft verbrachten Monate) trotz seiner Verurteilung wegen Mordes „nur“ knapp acht Jahre ins Gefängnis muss. Das Jugendstrafrecht, das vom Erziehungsgedanken geprägt ist, sieht eine Höchststrafe von zehn Jahren vor (bei besonderer Schwere der Schuld bis zu 15 Jahren); nach Erwachsenenstrafrecht wäre für dieselbe Tat hingegen eine lebenslange Strafe (mit erstmaliger Chance auf Entlassung nach 15 Jahren) fällig geworden.

          Im Rahmen des gesetzlich möglichen ist die Strafe also weder auffällig streng noch besonders milde ausgefallen – die Verteidigung hatte siebeneinhalb Jahre Haft gefordert, die Staatsanwaltschaft zehn. Fest steht, dass das Gericht davon ausgeht, dass zwei Mordmerkmale vorliegen. Zum einen habe D. heimtückisch gehandelt, indem er völlig ohne Vorwarnung angefangen habe, auf sein Opfer einzustechen. Zum anderen sei die Tat von krankhaft übersteigerter Eifersucht und damit von „niedrigen Beweggründen“ motiviert gewesen.

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